Titel: »PingPong« als ständiger Austausch der Ideen

03. November 2005

Ausstellung mit einer Videoinstallation der Künstlerin Nadja Schütt zum MPI-CBG Art Prize 2005 Die in Dresden lebende Künstlerin und Meisterschülerin in der Projektklasse Neue Medien bei Prof. Lutz Dammbeck an der HfBK Dresden, Nadja Schütt, ist zweite Preisträgerin des vom Dresdner Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) vergebenen MPI-CBG Art Prize. Ihre Arbeit wird in einer öffentlichen Vernissage am 3. November 2005 um 19.00 Uhr im Institutsgebäude (Pfotenhauerstr. 108) präsentiert Die Videoinstallation befindet sich im Eingangsbereich des Institutes und wird dort voraussichtlich bis zum 11. November 2005 zu sehen sein. Zur Vernissage wird ein DJ auflegen – alle Dresdner Kunst- und Wissenschaftsinteressierten sind herzlich willkomen. Der Eintritt ist frei.

Der mit 5.000 Euro dotierte Kunstpreis wird jährlich vom MPI-CBG in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK Dresden) an einen Meisterschüler aus Dresden vergeben. Der Preisträger wird dann in die wissenschaftliche Forschungsarbeit des Institutes integriert und setzt im Anschluss seine Erfahrungen mit dem Laboralltag in ein Kunstobjekt um. So soll ein lebendiger und anhaltender Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft initiiert werden.

Wer den Art Prize gewinnt, wird zu einer Art "Artist in Residence" am MPI-CBG: Der Aufenthalt der diesjährigen Preisträgerin Nadja Schütt im Institut umspannte ein halbes Jahr und beinhaltete neben der Arbeit im Labor auch zwei Veranstaltungen, in denen einerseits Wissenschaftler des Instituts in die HfBK Dresden eingeladen wurden und den Studierenden dort zu Fragen moderner biologischer Forschung Rede und Antwort standen. Andererseits präsentierten Studenten der Medienklasse ihre aktuellen Arbeiten im Institut im Rahmen eines Filmabends, der bei den Forschern großen Anklang fand.

Schütts Videoarbeit „PingPong“ ist die Hauptarbeit des Projektes, in der Filmaufnahmen von 40 Mitarbeitern des Instituts in einer Montage auf einen patchwork-artigen Monitor zusammengeschnitten wurden. Die Menschen in dieser Videoinstallation werfen sich einen Ball über die kleinen Bildsegmente hinweg zu. „Wissenschaftler müssen im ständigen Austausch sein, um ein Bild des Ganzen zu bekommen – dieses Ballspiel ist also symbolisch zu sehen", erklärt Schütt den Ansatz dieser Arbeit und führt fort: "Ebenso funktioniert auch das Gebilde eines Instituts, welches ein großer technischer und administrativer Apparat ist. Ich wollte Hierarchien, die Karieren und Wege mit sich bringen, aufbrechen, da in dem Video jeder mit jedem spielt in einer Art Schachbrett, unabhängig von der Position". Das Video läuft im Foyer des Gebäudes und greift so unmittelbar in den Arbeitsalltag des Instituts ein. Betreut wurde die diesjährige Preisträgerin von Andy C. Oates, Forschungsgruppenleiter am MPI-CBG. Dessen Labor erforscht vornehmlich die genetische und zelluläre Steuerung von Segementationsmechanismen bei Wirbeltieren, speziell dem Zebrafisch. Nadja Schütt konnte im Labor den Arbeitsalltag der Wissenschaftler beobachten und miterleben, wie erforschtes Wissen kommuniziert wird. Doch auch die Forscher bekamen Einblick in die Arbeitsweise der Künstlerin, die anfangs ihre Videomaterialsammlung vorstellte, diese dann im Labor verarbeitete und zugleich erweiterte.
Der MPI-CBG Art Prize ist eine einfache und doch effiziente Art, den Austausch zwischen den beiden Disziplinen zu befördern: Er honoriert nicht eine fertige, statische Arbeit; er setzt vielmehr einen dynamischen Prozess überhaupt erst in Gang. Dabei entsteht Kunst als direktes Produkt der – theoretischen wie auch praktischen – Auseinandersetzung mit wissenschaftlichem Arbeiten. Gleichzeitig können die in das Projekt involvierten Wissenschaftler den künstlerischen Prozess von Konzeption bis hin zur Umsetzung unmittelbar beobachten und miterleben.

Mit dem MPI-CBG Art Prize – 2004 erstmals an Rocco Pagel verliehen – will das MPI-CBG auch der Kunststadt und der Wissenschaftsstadt Dresden Rechnung tragen: Mit dem Kunstpreis, der die Erforschung des Mikrokosmos Zelle mit der Sicht eines Künstlers zusammenbringt, tritt die zeitgenössische Kunst und die Naturwissenschaften in der Stadt Dresden in einen direkten Dialog.