Die Ausstellung »schauspielhaus« von Franziska Leonhardi, Meisterschülerin bei Prof. Ralf Kerbach, wird drei verschiedene bildnerische Medienformen zeigen, welche formal oder narrativ-spielerisch das Thema »schauspielhaus« aufgreifen. Die Malerei, das Silhouettentheater und die Grafik sollen drei verschiedene bildnerische Kommunikationsformen sein, die über den Begriff »schauspielhaus« als Theater, aber auch Malerei im offenem Raum »schauspielhaus« reflektieren. Drei verschiedene Sichtweisen, welche durch sich auf Bildraum und öffentlichen Raum »schauspielhaus« verweisen.
Die Eröffnung der Ausstellung findet am 5. Mai 2007 um 18.30 Uhr in der Galerie für Junge Kunst im Schauspielhaus am Zwinger statt.
1. Medium: »Ode. Charlottens Briefe an ihren geheimen Rat.«
Ist eine (noch wachsende) Serie Malereien auf Papier im Format 70 x 100 cm, Mischtechnik. Sie zeigt vor allem Massefiguren, Spielzeugtiere als »stille Lautleben«, die verraten, dass sie der Künstlerin nicht nur als Schau sondern vor allem auch als Spiel Anreiz sind.
Die Massefiguren sind im Dresdner Raum als alte traditionelle Spiel- oder Schauobjekte bekannt (»Schau«: wenn es sich um Krippenfiguren oder Sammelobjekte o. ä. handelt). Ebenso zeigen die Arbeiten erzgebirgische Pfennigtiere aus Holz, welche als Miniaturen in das zu ihnen im Verhältnis stehende Riesenformat des Papiers gesetzt werden.
2. Medium: »Herrn Rousseaus Silhouettenspiele«
Das zweite Medium zeigt Ledersilhouetten in Holzkästen. Es ist Silhouettenspiel unterschiedlichen Formates (die kleinen etwa A3, das größte etwa 150 x 160 cm). Sie sind nicht durch Glas oder Rückwand vom Raum getrennt, sondern öffnen sich als Schaubühne dem öffentlichen Raum. Der Betrachter wird eingeladen, in das Bild einzugreifen, in dem er die Silhouetten, welche an Stäben befestigt sind, bewegt. Diese Serie knüpft an eine Folge von Auseinandersetzungen mit Silhouettenkunst im europäisch-asiatischen Raum an. Zunächst waren es schwarz-weiße Erzähl- und Raumstrukturen im Scherenschnitt (»gefräßige Zeiten«, 2004/2005), die dann über das Silhouettentheater »Der Wolf auf leisen Sohlen« sich über das bloße bildnerische Medium zum Theater hin und seinen traditionellen Einsatz als Sprache und Schauspiel von Mythos setzt. In der Ausstellung »Utopia Dresden« 2006 wurde die Silhouette einerseits als traditionelles Bild- und Erzählmedium von Mythen und Geschichten (auch in den Dresdner Silhouettenfilmen der Lotte Reiniger) vorgestellt und genutzt, andererseits wurde versucht dieses Medium von seiner bloßen Bühnenfunktionalität zu befreien, hin zu einem Medium im offenem Raum. Es gelang durch das Spiel mit Licht und Schatten im Ausstellungsraum, welcher die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum im Schattenspiel verschwimmen ließ. In diesem Spiel, in dem kleine Dinge groß und große Dinge klein sein können, in dem stille Leben durch flackerndes Licht laut werden und monströse Gestalten sich einem Großen unterordnen, ist es möglich, Realität mit Fiktion für
einen Ausstellungsaugenblick zu vermählen. So wird auch die Grenze zwischen Zuschauer und Schauspieler aufgebrochen.
»Herrn Rousseaus Silhouettenkästen« befassen sich ausgehend von der Postulierung der Silhouette im offenem Raum mit der Silhouettenkunst als bildnerisches Medium. Es sind Silhouettenspiele, die nicht in erster Linie Bühnenstück sondern als bildnerisches Spiel eines geöffneten Bildraums als Bühnenspiel im offenen Raum sind.
Die Serie entstand ausgehend von der Beobachtung einer collagenartigen Staffelung von Bildobjekten in Rousseaus Malereien, die an Bühnenbilder erinnerten. Ausgehend von Rousseaus Bildern habe ich den Versuch gemacht, bewegte Motive in Bildräumen zu entwickeln, die in sich kleine Bühnenstücke sind, aber durch ihr formales geöffnet-sein zum Raum hin und das Eingreifen des Betrachters in die Bewegung und damit das Bild an sich, etwas von dem beinhalten, was den Charakter eines Silhouettentheaters eigen ist, nämlich eine gewisse Transparenz zu Mythos über Sprache und Bild, der sich in Raum öffnet.
3. Medium: Grafik (vermutlich Holzschnitte)
Das dritte Medium soll rein formal mit dem Begriff »schauspielhaus« umgehen und somit Kontrast zur narrativen Malerei und dem Silhouettenspiel sein. Die Auseinandersetzung mit Raum oder »Haus« im Zweidimensionalen durch bildnerische (grafische) Elemente, etwa der Komposition, steht im Vordergrund. Das, was in den Silhouettenstücken ausgeschnitten und räumlich voreinander gelagert ist, um dreidimensional Bild zu sein, soll umgekehrt durch Verdecken und Überlagern von Strukturen im zweidimensionalen Raum/Bildraum beschreiben.
Diese drei Medien kommunizieren über das Zur-Schau-Stellen von Spielräumen in einem Haus, in dem die Grenzen zwischen bildender und darstellender Kunst im öffentlichen Raum aufgehoben sind: »schauspielhaus«.
Die Ausstellung kann bis 17. Juni 2007, jeweils 1 Stunde vor jeder Vorstellung, am 12. Mai (17.00 bis 19.00 Uhr) gemeinsam mit der Künstlerin sowie im Rahmen eines Vorstellungsbesuches, besichtigt werden. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.
Kooperation des Staatsschauspiels Dresden mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden.