Diplomausstellung 2017

22. Juli 2017 - 03. September 2017
Startzeit: 11:00 Uhr
Stoppzeit: 18:00 Uhr
Ort: Oktogon, Georg-Treu- Platz, 01067 Dresden

Grundfragen der Kunst

Wie kann es sein, dass gewisse Grundfragen des schöpferischen Tuns in jeder Studierendengeneration immer wieder gestellt werden? Wie lauten diese Grundfragen überhaupt?
Es sind  unter anderem jene nach dem Selbst: nach dem eigenen Körper, der Sexualität, der persönlichen Geschichte und dem gesellschaftlichen Umfeld, in das jedes Individuum eingewebt ist.
Es sind aber auch die Urfragen des Kunstschaffens: wieviel ist Technik, was bedeutet das Handwerkliche im Kontext der Kunst, was ist Schönheit oder wie kann mein Leben als Künstler*in jenseits der Akademie in freier Praxis aussehen?
Bei der Diplomausstellung 2017  werden diese Fragen auffällig ernsthaft und unmittelbar gestellt. Unübersehbar spielt die Erkundung des Körpers, auch in seinen Details und sexuellen Phantasien, in den Malereien von Helena Zubler und Murat Önen eine zentrale Rolle. Auch bei Vivien Schlecht, einer weiteren Malerin, spielt das Bild des Körpers eine wichtige Rolle. Sie setzt sich mit unseren Ideale von Schönheit auseinander, implantiert fast unkenntliche kleine Makel in Gesichter und eröffnet wie Zubler und Önen einen intimen Blick auf sehr persönliche Beobachtungen.
Grit Aulitzky geht noch einen Schritt weiter, sie formt Sexpuppen aus Plastik in Ton ab und übersteigert durch eine Weiterbearbeitung dieser Puppen deren Aspekt als Spielzeug für Erwachsene. Auch Carolin Richter zeigt sehr direkt intime Momente: ihre Zeichnungen sind Porträts von Frauen während des Orgasmus.  Einen weiteren Aspekt von Geschlechtlichkeit thematisiert Anna Erdmann, die das Phänomen des „Cruisens“, des meist anonymen, spontanen homosexuellen Kontakts bei lesbischen Frauen untersucht.
Anne Reiters Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper geht hingegen in eine ganz andere Richtung, sie entwickelt Kleidungsstücke, die tragbar sein könnten. Wie auch bei den Arbeiten von Theresa Schnell und Irène Mélix, die ebenfalls mit Textilien arbeiten,  basieren ihre künstlerischen Ergebnisse auf intensiven Recherchen und ausdauerndem Interesse an der Materialität und der historischen Herstellung.
Mit historischen Dimensionen beschäftigen sich auch die Arbeiten von Lisa Maria Baier, die, angeregt von ihrer eigene Familiengeschichte, in die Nazizeit zurückblickt oder Jakoba Schönbrodt-Rühl, die sich mit Erinnerungskultur und unserem sich wandelnden Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt.
Zu kontroversen Debatten führt die Arbeit von Daniel Grams, der sich in seiner Arbeit nicht nur der Befragung eines Handwerkes, sondern auch unserer Verschwendungsgesellschaft widmet. Er hat in ausrangierten Öltonnen über Monate riesige Brote gebacken, und provoziert damit einen Debatte zur Überproduktion eines Grundnahrungsmittels, das sogar als Brennstoff verwendet wird.
Auch Lisa Poelkers Arbeit kreist um die Frage nach Rohstoffen: sie hat auf dem Hochschulgelände Pfotenhauerstraße über Monate hinweg Material gesammelt, das ihre Kommilitonen entsorgen wollten oder das dort als natürliche Ressource vorhanden ist. Sie hat z.B. aus Gräsern und Blättern Pigmente hergestellt, aus Haaren von Mitstudierenden und kleinen Ästen Pinsel hergestellt oder aus alten Kleidungsstücken neue geschneidert. Aus alten Einzelteilen hat sie ein komplettes Fahrrad neu aufgebaut, das über einen ausgestatteten Aushänger verfügt, indem sie autonom und kostengünstig arbeiten kann, und der sogar mit einer eigenen Energieversorgung ausgestattet ist.
Die insgesamt 46 Absolvent*innen machen in höchst unterschiedlichen Ansätzen deutlich, dass sie sich nicht nur an den Maßstäben des globalen Kunstmarkts orientieren, sondern wache und kritische Beobachter*innen gesellschaftlicher Wandlungen sind.
Diese Tendenz lässt sich auch in den Präsentationen, den Projekten und dem vielfältigen Rahmenprogramm der Jahresausstellung ablesen, die in allen drei Akademiegebäuden ab dem 15. Juli zu sehen sind: ein Bühnenprojekt untersucht beispielweise das Phänomen der Uniform,  die KunstTherapie macht auf „Dresden farbig“ aufmerksam und stellt dabei Künstlerisch-kulturelle und therapeutische Initiativen in Dresden im Kontext integrativer Arbeit vor.

Zugleich wird bei aller Ernsthaftigkeit auch das Leichte gesucht und gezeigt, das von audiovisuellen Performances in der Klasse Nicolai bis zum lebensfrohen Sommerfest reicht. Von 15. bis 23. Juli haben die Besucher die Gelegenheit in den offenen Ateliers die Studienarbeit und künstlerische Ergebnisse kennenzulernen. Die Diplomausstellung ist bis 3. September zu sehen.

Die Termine in Kürze:

Eröffnung Jahresausstellung Studiengang Bildende Kunst
am Freitag, 14. 7. 2017 um 19.00 Uhr
Jahresausstellung (auch auf der Brühlschen Terrasse) bis 23. 7. 2017
Pfotenhauer Straße 81/83

Eröffnung Jahresausstellung Bühnen- und Kostümbild, Restaurierung, Theaterausstattung, KunstTherapie
am Freitag, 15. 7. 2017 um 19.00 Uhr
Jahresausstellung bis 23. 7. 2017

Sommerfest  ab 19.30 Uhr
Güntzstraße 34

Eröffnung Diplomausstellung
und Vergabe des Förderpreises des Freundeskreises der HfBK Dresden

am Freitag, 21. 7. 2017 um 19.00 Uhr
Diplomausstellung im Oktogon, dem Senatssaal und Ateliers
Von Dienstag bis Sonntag
Geöffnet 11-18 Uhr

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
Diplomausstellung: 22.7. – 3.9.2017
Öffnungszeiten:  Di-So von 11 bis 18 Uhr

Abbildungen:
Vivien Schlecht, Frau im Café, 2017, Öl auf Leinwand

Jan Kunze
Zeichnung aus der Serie „About a Bomb“, 2016/2017, Graphit auf Papier

Lisa Marie Baier
Frame aus der Stopmotionexperimentalfilmenreihe: "Stuben, deutsch", 2017

Daniel Grams, Laib, 2017, Hefeteig

 

 

Diplomausstellung 2017Diplomarbeiten aus dem Studiengang Bildende Kunst 2017