ANGEWANDTE THEATERWISSENSCHAFT UND PRODUKTIONSDRAMATURGIE

 

LEHRVERANSTALTUNGEN SOMMERSEMESTER 2019


PROFIN DR. STEFANIE WENNER
DR. EIKE WITTROCK
DR. DES. LEA-SOPHIE SCHIEL
DR. AVI FELDMAN




MEYER PAVILLON // SUMPF (DOWN BY THE WATER)


Semesterprojekt von Prof. Knut Klaßen und Profin Dr. Stefanie Wenner

Der Tanzkongress 2019 findet als long lasting affair unter der künstlerischen Leitung von Meg Stuart bereits seit 2018 mit unterschiedlichen Veranstaltungen in Dresden und an anderen Orten der Welt statt. Vom 5. - 9.6.2019 wird die zentrale Zusammenkunft in Hellerau stattfinden. Für einen Tag kommt der Tanzkongress während dieser Zeit in die Stadt, wandert an die Elbe, tanzt, tagt, spricht und kommuniziert DOWN BY THE WATER. Diesen Tag bereiten wir im kommenden Semester gemeinsam vor. An den Elbwiesen schlagen wir schon ab April wurzeln, bilden das Rhizom für die Begegnung zwischen internationalen Gästen und Dresdener_innen unterschiedlicher Herkunft am Wasser. Dazu gründen wir eine Stiftung, die Menschen aus Dresden und ihre Geschichten und Pflanzen im Frühjahr zu versammeln beginnt.

Zur Buchmesse in Mexico-City 1942 wurde von Hannes Meyer, dem zweiten Bauhaus Direktors, zusammen mit Lena Meyer-Bergner und dem Grafikerkollektiv TGP, ein Pavillon entworfen, um auf die Naziverbrechen aufmerksam zu machen. Eine von der Gruppe Gintersdorfer/Klaßen entworfene Neuversion dieses Pavillons tourt zum 100 Jahre Bauhaus Jubiläum 2019 von Weimar über Dresden, Hamburg, Münster und Düsseldorf nach Berlin. Er bildet den Ort für eine Theaterproduktion im Zwiespalt der formalen Arbeitsweise eines Josef Albers und dem wissenschaftlichen, politischen und auf das Einbinden von Akteur_innen ausgerichtete Entwerfen eines Hannes Meyer. Diese Arbeitsweisen sollen sich während der Anwesenheit des Meyer Pavillons in Dresden mit der Vorbereitung von DOWN BY THE WATER verbinden, entwickelte Performances werden im Rahmen des öffentlichen Tages des Tanzkongresses gezeigt und können auch zu den weiteren Stationen des Meyer Pavillons zur Aufführung kommen.

Im Garten der HfBK in der Güntzstrasse wird der MEYER PAVILLON ab Ende April als Labor unterschiedlicher Forschungen zu Material, Begegnung und Bewegung zur Verfügung stehen. Hier ist unser Proberaum für unterschiedliche Experimente, die am 8.6. DOWN BY THE WATER realisiert werden können. Performance und Musik, Gespräch und Tanz, das bleibt zu entwickeln. Der MEYER PAVILLON wird so zur Basis von SUMPF. Er steht außerdem unterschiedlichen Gruppen, wie z.B. der freien Performance Praxis, an der HfBK für ihre Arbeit zur Verfügung. Wir etablieren parallel einen Resonanzraum am Ufer, eine Bühne für Erzählungen von Menschen und Pflanzen zwischen Wasser, Erde, Feuer und Luft. Hier schlagen wir Wurzeln und bilden die Radix für Austausch zwischen Menschen und anderen Spezies. Und wir bespielen für einen Tag ein Schiff der Sächsischen Dampfschifffahrt, die Gräfin Cosel, die in unmittelbarer Nähe der Albertbrücke, dem Standort von SUMPF, ankern wird und dort für diesen Tag als Festivalzentrum zur Verfügung steht.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Tanzkongress Dresden und Gintersdorfer/Klaßen (Kunstfest Weimar) realisiert. Im Verlauf des Semesters werden unterschiedliche Gäste dazukommen, um das Projekt zu begleiten (u.a. Jared Gradinger, Tänzer und Choreograph). Es wird in Kooperation mit der Palucca Schule (MA Choreographie, Pro. K. Christl) und in Kooperation mit der HTW Dresden (Gartenbau, Pillnitz) umgesetzt. Das Semesterprojekt ist für Studierende der Fakultäten I und II offen. Credit Points können für Theaterwissenschaft im Rahmen von theoretischer Vorbereitung ebenso wie dramaturgischer Begleitung und praktischer Umsetzung erworben werden.

Erstes Treffen am 1. April 2019, 13.30 - 15.00 Uhr im Hörsaal, Güntzstrasse 34

Module T 1, T 2, 2, 5, 8, 11 





Profin Dr. Wenner mit Dr. Eike Wittrock (Hildesheim)

Tanzkongress 2019 Warm Up 2 // HAPPENING


Vorbereitungstreffen in Hildesheim

2019 findet der von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Tanzkongress zum ersten Mal unter der Leitung der Choreografin Meg Stuart statt. Stuart ist bekannt für ihre genreerweiternden und thematisch vielfältigen Arbeiten, wie auch für ihre innovativen Improvisations- und Kollaborationsformate. Für den Tanzkongress 2019 entwickelt sie ein experimentelles Versammlungsformat, das zeitgenössische Fragen des Tanzes – inspiriert vom utopischen Setting des Festspielhaus Hellerau – praxisbasiert und gemeinschaftlich als Happening angehen wird.

Im WiSe 18/19 und SoSe 19 findet jeweils eine thematische Blockveranstaltung ("Warm Up" I und II) in Kooperation mit der Universität Hildesheim, Seminar für Kulturwissenschaft (Dr. Eike Wittrock) statt, die sich thematisch an Themen des Tanzkongresses orientiert: UTOPIE und HAPPENING. Nach dem ersten Teil in Hellerau und an der HfBK im Dezember werden wir nun den Gegenbesuch in Hildesheim antreten.

In Vorbereitung auf den Tanzkongress werden wir uns praktisch wie theoretisch mit der Form des Happenings beschäftigen, an die einst die Hoffnung geknüpft war, Leben und Kunst näher zusammenzuführen. Was genau versprach man sich von diesen interdisziplinären und spontanen Aktionen? Wir blicken dabei insbesondere auf das Black Mountain College, einer innovativen Ausbildungsinstitution in North Carolina, an der viele exilierte Bauhaus-Künstler*innen lehrten. Hier wurde nicht nur Lehre und künstlerisches Arbeiten anders gedacht, sondern hier fand 1952 auch das Untitled Event statt, das als Geburtsstunde der Performance Art gilt.

Es können auch Studierende teilnehmen, die nicht am 1. Teil des Seminars teilgenommen haben. Wir werden vom 16. - 18. Mai in Hildesheim sein. Um Anmeldung wird gebeten unter wenner©hfbk-dresden.de. Es wird ein Vorbereitungstreffen im April geben, das noch per Mail vereinbart wird.

Module 2, 5, 8, 11




Ateliergespräche, Konsultationen und Sprechstunde bei Profin Dr. Wenner nach Vereinbarung per Mail: wenner©hfbk-dresden.de





Dr. Avi Feldman

WORKSHOP

Between the Era of the Witness and the Era of the Forensic: Art, Law and Visual Activism 


The course will interrogate in theory and in practice the often overlooked relations between the visual and the legal spheres. Through examining historical and contemporary trials, tribunals and artistic and curatorial projects and performances, the purpose of the course is to critically question how artists can expand and re-imagine our understanding of witnessing, evidence, and the legal space. Case studies will include, among others, the work of Forensic Architecture, Jonas Staal, Exterritory project, and the NSU Tribunal.

Avi Feldman is a curator and writer based in Tel Aviv, Berlin, and Dresden. Feldman holds a law degree and has been a member of the Israeli Bar since 2005. He recently obtained his PhD in Practice in Curating at the Department of Art at the University of Reading in co-operation with the Postgraduate Programme in Curating at the Institute for Cultural Studies in the Arts, Department of Cultural Analysis, Zurich University of the Arts. Among his most recent curatorial projects are Omanut’s NeuLicht Festival for Video Art at Kunsthaus Zurich and KOSMOS Kulturhaus, Zurich (2017); Playing Hide and Law at tranzit, Bratislava (2017); and the exhibition, workshop, and performance series Motions for the Agenda at Artport Tel Aviv (2017).
Avi Feldman was the 2018 Curatorial Resident, Goethe Institut New York at Ludlow 38.
All exhibitions, events, and projects carried out at Ludlow 38 in 2018 were organized by the Agency for Legal Imagination, which was conceived and initiated by Avi Feldman. The Agency is an independent organization devoted to the investigation of existing and imagined relations between legal and artistic imagination, and visual and legal activism.


Mehr Infos: http://ludlow38.org/contributors/avi-feldman/

Arbeitssprache ist englisch, Avi Feldman spricht aber auch deutsch.

4 Termine à 4 Stunden je von 11.00- 12.30 und von 13.30 bis 15 Uhr am
Montag, 8 April, Montag, 29 April, Montag 6. Mai und Montag 20. Mai in Raum  228

Der Workshop ist für Studierende beider Fakultäten offen. Um Voranmeldung wird bis zum 1.4.2019 gebeten an: wenner©hfbk-dresden.de

Module 5, 8, 11





Dr. des. Lea-Sophie Schiel

Das Theater des Obszönen. Sex-Performances zwischen Normativität und Subversion


Live-Sex-Shows, sexuell explizite Kunst-Performances, BDSM-Messen und Live-Sex-Chats: Ob ‚live‘ oder medial: Sex-Performances sind in unserer Kultur allgegenwärtig und dennoch häufig abseits der Öffentlichkeit zu finden. Aber was gilt eigentlich als obszön? Wann und warum wird Kunst von Pornografie, die Szene vom Obszönen unterschieden? Wann werden Darstellungen als explizit sexuell wahrgenommen? Wie entsteht der Bereich des Obszönen? Inwiefern konstituiert das Obszöne sexuelle Skripte? Welche Rolle spielen Begehren, Lust, Erotik und Intimität sowie deren Darstellung für die Konstitution heteronormativer Geschlechtermodelle? Welche dieser Normierungen finden sich in sexuell expliziten Darstellungen und wann können sie unterlaufen werden?

Diese und weitere Fragen sollen gemeinsam mit den Studierenden im Seminar erörtert werden. Das Seminar wird in vier inhaltliche Blöcke gegliedert sein. In einem ersten Block soll eine kultur- und theaterwissenschaftliche Grundlage für den Begriff des Obszönen geschaffen werden. In einem darauffolgenden zweiten Block soll es um die feministische wie wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Pornografie gehen. In einem dritten Block soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit Sexualität als Performance verstanden werden kann. In einem letzten und vierten Block sollen schließlich Aufführungen von Sex-Performances in den Blick genommen und anhand der zuvor besprochenen Theorie analysiert werden.

Das Seminar ist für Studierende beider Fakultäten offen. Um Voranmeldung wird gebeten an: wenner@hfbk-dresden.de, Raum wird dann per Mail bekannt gegeben.

Lea-Sophie Schiel ist promovierte Theaterwissenschaftlerin. Außerdem ist sie Performerin und Gründungsmitglied der Gruppe Hyterisches Globusgefühl

Mehr Infos hier: https://hysterischesglobusgefuehl.wordpress.com

Termine: 
2.4.2019 Einführung 11.30 - 13.00 Uhr 
26./27.4.2019  11.00 - 17.00 Uhr und 10./11.5.2019 11.00 - 17.00 Uhr

Module 5, 8, 11