Ischia,Torre di Guevara

 

Wo andere Leute Urlaub machen…

Wie ein Zeugnis vergessener kriegerischer Zeiten erhebt sich der Torre di Guevara aus den Wohngebieten und Hotelanlagen Ischias direkt an der Küste des Golfs von Neapel. Der Name des Turms lässt sich auf die Familie di Guevara zurückführen, ein spanisches Adelsgeschlecht aus dem 15. Jahrhundert. Er diente zusammen mit anderen Bauwerken entlang der umliegenden Küste zur besseren Abwehr des Castello Aragonese, einer Burganlage auf einer kleinen, hoch aufragenden Insel direkt vor Ischia.

Später wurde der Turm als Sommerresidenz genutzt. In dieser Phase entstanden die grotesken Wandmalereien, bestehend aus kandelaberartig übereinandergestellten Vasen, Girlanden, Putten, Greifen und mythologischen Figuren. Das Bildprogramm zeugt von der Bedeutung und repräsentativen Funktion des Turms und stellt ein wichtiges Zeugnis adliger Wohn- und Lebenskultur humanistischer Prägung dar.

Bereits im Frühjahr 2011 begannen die Studenten der HfBK Dresden, Fachklasse Wandmalerei und Architekturfarbigkeit unter der Leitung von Prof. Dr. Danzl mit der Untersuchung und Freilegung der Renaissance-Malereien. 2012 setzte man die Freilegung fort und sicherte gefährdete Bereiche. Darüber hinaus erfolgte eine Bestands- und Zustandserfassung des gesamten Gebäudes, wobei auch Untersuchungen unter UV-Bestrahlung vorgenommen wurden.

Wo Orangenbäume wachsen und andere Leute Urlaub machen, war uns Studenten über mehrere Wochen eine unvergessliche Projektbaustelle vergönnt. Der überaus glückliche Fund einer Datierungsinschrift von 1560 bescherte uns viel Aufmerksamkeit und Besuch der Bevölkerung, einschließlich des italienischen Fernsehens. Mit ständigem Blick auf das Meer, den Vesuv und Capri war es nur zu leicht, die Anstrengungen des Arbeitens zu vergessen. Und wurde es doch einmal beschwerlich, so konnte man sich nach Feierabend im Pool unseres Hotels erfrischen und anschließend am Buffet die Reserven wieder auffüllen. Und damit nicht genug: Dank der italienischen Gastfreundschaft, samt einer Einladung zu napolitanischer Pizza und ischitanischem Kaninchen, fühlten wir uns tatsächlich wie im Urlaub.

 

Maria Matissek, Prof. Dr. Danzl

  • Die Baustelle: der Torre di Guevara
  • Blick auf das Castello Aragonese
  • Vier Studentinnen vor den Groteskenmalereien im Gewölbe
  • Freilegung der ältesten Gestaltungsphase (16. Jh.)
  • Fallender Prometheus - im Auflicht und unter UV
  • Untersuchung und Festigung jüngerer Malschichten
  • Eintrag des Festigungsmittels durch Spritze und Kanüle

Dokumentationen über die Restaurierungsarbeiten bei:
tgischia.it
blip.tv
teleischia.it
ischiacitynetwork.it