Laudatio zum Diplompreis 2018 - verliehen an Amanda Ziemele

Liebe Absolventinnen, liebe Absolventen,
liebe Freunde und Gäste der Hochschule für Bildende Künste Dresden,

Machen wir es kurz: Wenn vier Frauen in einer Jury sind und sich für einen Künstler oder eine Künstlerin entscheiden müssen, dann ist doch alles klar? Oder?    Sie entscheiden sich für eine Frau! Oder haben Sie jetzt etwas anderes erwartet? Nein! Sie entscheiden sich für die beste, für die stärkste Arbeit, nur das zählt.
Also noch einmal von vorn.
Ich freue mich sehr, dass in diesem Jahr eine Studentin den Diplompreis des Freundeskreises der Hochschule für Bildende Künste erhält. Ich freue mich auch deshalb so sehr, weil, je länger ich darüber nachdenke, die Arbeit dieser Studentin wirklich außergewöhnlich ist.
Das Urteil der Jury fiel schnell und einstimmig auf sie.
Die Rede ist von der Lettin Amanda Ziemele.
Die Schülerin von Professor Christian Sery studierte Kunst erst in Riga, ging dann über Erasmus nach Nürnberg und wechselte dann nach Dresden. 
Amanda Ziemele geht ein bisschen wie eine Zockerin zu Werke, eine, die sehr bewusst Material und Farbe einsetzt, mit einer hohen Qualität als Malerin arbeitet und dennoch einfach nur spielt. Sich nicht in Sicherheiten und Gewissheiten ausruht, sondern mutig riskiert. 
Sie finden die Arbeit dieser selbstbewussten Studentin im Raum 150. Den teilt sie sich mit vier anderen Mitstreitern. Und dennoch bestimmen ihre Bilder, ihre Spielereien den Raum, ergreifen unerschrocken Besitz von ihm. Ein großes Gemälde direkt über dem Heizkörper zu hängen und so die Heizung mit in die Arbeit einzubeziehen, das ist alles andere als Verlegenheit und schon gar nicht eine Notlösung.
Das spricht für Freude an Inszenierungen, das zeugt von Erfahrung mit Räumen planvoll und gleichzeitig spielerisch umzugehen.
An einer imaginären Linie werden die Bilder sei es mit der Ober- oder Unterkante ausgerichtet und lassen die einzelnen Arbeiten zu einer logischen Einheit werden.
Man könnte, wenn man wollte, die junge Künstlerin in die Kategorie der Farbfeldmalerei stecken. Gewiss, es gibt Ähnlichkeiten mit einem der großen Bild-Erfinder des vergangenen Jahrhunderts, mit Ellsworth Kelly. Seine Bilder erkennt man an ihrer Form. Und diese ist zugleich auch schon ihr ganzer Inhalt. Wohl deshalb nannte er sie schlichtweg, das was sie waren, nämlich Objekte, wenngleich auch mit signalhaft klaren Farbauftrag.
Unsere Preisträgerin kennt sehr wohl den großen Namen, sie beweist jedoch mit ihrer Diplomarbeit, dass sie alles andere schaffen will als Objekte, dass ihr das prozesshafte Arbeiten wichtig ist. Nicht nur der Pinselduktus zeigt dies, auch die vielen kleinen Details, Alltagsgegenstände tauchen auf, werden verfremdet.
Es geht ihr nicht um die Lust an der rein ästhetischen Qualität einer Form, einer Gestalt.
Das ist ihr ganz offensichtlich zu wenig oder einfach nicht ihr Ding.  Nicht die Aufgabe, an der sie sich reibt, um die sie ringt und kämpft. 
Amanda Ziemele dockt  sich an archaische Formen an.
Sie geht aus dem Bild heraus, arbeitet mit der Leinwand und dem Raum. Das können Sie deutlich sehen, wenn sie vor dem runden schwarzen Bogen stehen. Diese Arbeit aus Keramik und Kohle erzählt die Bilder an der Wand einfach weiter, vervollständigt sie. Und funktioniert dennoch auch als einzelnes Objekt. Man könnte nicht nur diesen Bogen, auch manches Bild lesen als prähistorisches Zeichen – vom Fisch zum Landtier.
Könnte man, muss man aber nicht. Was man aber sofort lesen kann: Hier ist eine echte Erzählerin am Werk.
Amanda Ziemele hat Freude am kreativen Gestalten, Lust am Malen, und bei all dem, was sie tut, eine unbändige Kraft.

Liebe Amanda Ziemele! Sie haben die Jury angesteckt – mit ihrer Lebensfreude, ihrer Energie, mit ihrer großen Lebendigkeit. Sie erhalten den Diplompreis des Freundeskreises der Hochschule für Bildende Künste,  weil uns die Eigenständigkeit ihrer Arbeit überzeugt hat. Sie erhalten den Preis auch, weil wir neugierig darauf sind, wohin es sie mit ihrem Werk weiterführen wird und wie sie sich als Künstlerin weiterentwickeln werden.
Wir sind gespannt darauf. Eines aber glauben wir schon heute zu wissen. So oder so: sie ziehen auch in Zukunft ihr eigenes Ding durch.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Amanda Ziemele!