MIT:
Johanna Billing, Constanze Böckmann, Henrik Busch, Copenhagen Free University,
Alena Drahokoupilová & Karen Weinert, Paul Elsner , Franziska und Sophia Hoffmann, Saskia Holmkvist, Thomas Judisch, Nastasja Keller, Karen Koschnick, Andreja Kulunčić , Lecker & Heiss GbR (Levke Leiss und Karla Helene Hecker), MeineAkademie, Karolin Meunier, Constanze Nowak, Olivia Plender, Marion Porten, Prelom Kolektiv (Jelena Vesić und Radmila Joksimović), REINIGUNGSGESELLSCHAFT, Anna Schimkat, Claudia Schötz, Szuper Gallery, TkH (Walking Theory): Marta Popivoda und Ana Vujanović

Kuratiert von: Katharina Schlieben

Wer lernt was, von wem und vor allem wie? Wie sieht künstlerische (Aus)Bildung aus? Was passiert nach der Ausbildung? Wie sieht es mit der künstlerischen Selbstorganisation und der künstlerischen (Selbst)Ausbildung aus und wie stehen sie zueinander?

Die Bildungsinstitutionen rücken in der gesellschafts-politischen Tagesdebatte um Wissensgesellschaft, die zunehmend von einem lebenslangen Lernen ausgeht, mehr und mehr ins Zentrum. Es stellt sich nicht nur die Frage, wer das Wissen der Gesellschaft produziert, sondern wie es produziert wird. Die Kunsthochschulen werden von dieser Diskussion nicht ausgenommen. In welcher Weise sind sie Teil einer Wissensgesellschaft? Inwieweit tragen sie zu einer kritischen Auseinandersetzung über kulturelle Formen des Wissens bei? Inwiefern versteht sich Kunst als eine wissensproduzierende Praxis?  So in etwa lauten die Fragen, die in den letzten Jahren bereits einige künstlerisch-wissenschaftliche Projekte gestellt haben.

Als künstlerische Bildungsinstitutionen setzen Kunsthochschulen sich mit der künstlerischen Produktion in Praxis und Theorie auseinander, sie analysieren unter anderem die Produktionsbedingungen zeitgenössischer Kunst und sie befragen Lehrinhalte auf gesellschaftliche Relevanz.

Das Projekt FALLSTUDIE - künstlerische (Selbst)Ausbildung setzt hier an und fragt nach den künstlerischen Bildungsinstitutionen und deren Verortung in der Gesellschaft. Und es fragt wieder einmal nach der Lehr- und Lernbarkeit von Kunst. Wie sehen die Methodologien der künstlerischen (Wissens)Produktion aus? Wie sehen Modelle und Konzepte von selbstorganisierten künstlerischen Wissensorten, Ausbildungssituationen und selbstbildenden Verfahren aus. Nicht selten war es die künstlerische Praxis selbst, die vermittelnde Formate hervorgebracht hat oder in der künstlerischen Praxis untersucht hat. Der kritisch diskutierte „educational turn“, schlägt hier insofern einen Perspektivwechsel vor, als das er das Vermittelnde, Schulische, Lernende und Lehrende selbst in den Blick nimmt und damit die Kunsthochschulen als Bildungsinstitutionen zur Selbstreflexivität verpflichtet. Unterschiedliche Akteure treten hierzu im Projekt FALLSTUDIE miteinander in Dialog:

Einen Ausgangspunkt für das Projekt FALLSTUDIE stellt die Hochschule für Bildende Künste Dresden selbst sowie die künstlerische Reflexion der teilnehmenden MeisterschülerInnen. Gerade die Situation der AbsolventInnen oder in diesem Fall der MeisterschülerInnen ist speziell. Zwei Perspektiven kommen hier zusammen: Einerseits wird rückblickend eine Sicht auf das Studium, das Erlernte aber auch die Bedingungen und Möglichkeiten der Kunstausbildung geworfen, andererseits richtet sich der Blick nach vorne und beschäftigt sich mit den Mechanismen und Logiken des Kunstsystems und der Frage was passiert nach der Ausbildung bzw. wie funktioniert die weitere Selbstausbildung?

Neben den MeisterschülerInnen sind es Akteure und Künstlerinnen selbstorganisierter Initiativen aus Dresden, die zum Projekt beitragen, einige von ihnen haben an der HBFK Dresden studiert. Das Verhältnis von Selbstorganisation und der Selbstbildung spielt für sie eine wesentliche Rolle. Gefragt und diskutiert wird nach Konzepten existierender und fehlender Plattformen und Distributionsmöglichkeiten für die Kunstproduktion in Dresden, die als Alternativen zu denen von Staat und Wirtschaft begriffen werden können.

Gerade die künstlerische Praxis hat die Frage, was bedeutet Lernen und Wissensaneignung, wie funktioniert Recherche, Lehre und Vermittlung in der Kunst sowie Logiken des Betriebssystems Kunst immer wieder untersucht und hierzu Vorschläge oder Reflexionen entwickelt. Einige wichtige künstlerische Ansätze sind in dieser Ausstellung zu sehen.

Es zeigt sich, dass der Moment des Voneinander-Lernens sowie der Moment der Selbstbildung sich nicht ausschließen. Im Gegenteil.  Häufig operiert die künstlerische Praxis mit sozusagen "entliehenen" wissenschaftlichen Methoden. Zum Beispiel wurde aus der Ethnologie und der Anthropologie das Modell der "Fallstudie" adaptiert. Es geht bei diesem Prozess jedoch nicht um eine 1:1 Übernahme der Methode , vielmehr werden die Methoden durch den Prozess der Praxis vorgeführt, reflektiert, modifiziert und/oder erweitert. Die häufig enge Zusammenarbeit mit "ExpertInnen" aus anderen Wissens- und Produktionsfeldern ist dabei vielfach Grundlage einer dialogischen transdisziplinären Praxis. Auch Ansätze des selbst organisierten oder autodidaktischen Lernens, die einen genormten Wissenskanon provozieren oder boykottieren, bzw. häufig durch die kritische Befragung der Bedingungen des institutionalisierten Lernens motiviert sind, sind in diesem Zusammenhang hochinteressant. So haben etwa Studierende von Kunst(hoch)schulen/Akademien das Modell des selbst organisierten Lernens in "Freien Klassen" erprobt.

Das Projekt FALLSTUDIE greift einige Ansätze dieser Positionen auf: Künstlerische Projekte, die sich assoziativ, performativ, rechercheorientiert oder selbstreflexiv mit der Frage der künstlerischen (Aus)Bildung, bzw. mit Phänomenen und Prozessen der künstlerischen Wissensproduktion auseinandersetzen werden mit einer Reihe von Veranstaltungen im Oktogon verknüpft. Das Ausstellungsprojekt möchte zugleich Fallstudie und Treffpunkt sein: Zu dem Fall „Kunsthochschule“ laden wir Sie herzlich ein!

17.12.2010  –  13. 02. 2011,
(23. 12.2010 – 02.0.2011 geschlossen)
Öffnungszeiten 11 – 18 Uhr
Oktogon
Georg-Treu-Platz