AbsolventInnen der École Nationale Supérieure des Beaux Arts Paris zu Gast im Oktogon der Hochschule für Bildende Künste Dresden.

Die Bildungsinstitutionen rücken in der gesellschafts-politischen Tagesdebatte um Wissensgesellschaft und Wissensorte mehr und mehr ins Zentrum. Es stellt sich nicht nur die Frage, wer das Wissen der Gesellschaft produziert, sondern wie es produziert wird. Die Kunsthochschulen werden von dieser Diskussion nicht ausgespart. In welcher Weise nehmen die Kunsthochschulen an einer Wissensgesellschaft teil? Inwieweit tragen sie zu einer kritischen Auseinandersetzung über kulturelle Formen des Wissens bei?

Inwiefern versteht sich Kunst als eine wissensproduzierende Praxis? Dies sind nur einige der Fragen, denen sich in den letzten Jahren künstlerisch-wissenschaftliche Projekte verstärkt gestellt haben.
In einer neu etablierten Reihe wird die Hochschule für Bildende Künste Dresden in den nächsten zwei bis drei Jahren Kunsthochschulen aus aller Welt nach Dresden einladen, um diese Fragen in Lehre und Ausstellungspraxis zu beleuchten.Als künstlerische Bildungsinstitutionen setzen Kunsthochschulen sich mit der künstlerischen Produktion in Praxis und Theorie auseinander, analysieren sie die Produktionsbedingungen zeitgenössischer Kunst und befragen sie ihre Lehrinhalte auf gesellschaftliche Relevanz.

In dieser Hinsicht, so könnte man annehmen, haben sich unterschiedliche, vielseitige und kontextspezifische Formen und Ansätze der künstlerischen Wissensproduktion herauskristallisiert. Diese im gemeinsamen Dialog selbstkritisch zu schärfen und miteinander zu diskutieren, könnte ein Versuch sein, Nähen und Unterschiede gleichermaßen zu formulieren und dem Modus des Voneinander-Lernen zu folgen.Die Projektreihe „Schools of Art“ setzt hier an und fragt nach den künstlerischen Bildungsinstitutionen und deren Vielstimmigkeit in der Gesellschaft. Sie fragt nach der Verortung der Kunsthochschulen und wieder einmal nach der Lehr- und Lernbarkeit von Kunst. Wie sehen die Methodologien der Wissensproduktion durch künstlerische Verfahren aus?

Was bedeuten diese für ein praxeologisches Verständnis von Kultur? Welche Modelle und Konzepte von selbstorganisierten künstlerischen Wissensorten haben Lehrformate an den Kunsthochschulen beeinflusst?
Inwiefern haben soziale Bewegungen rückwirkend auf die Lehre von Kunst Einfluss genommen und diese verändert? Nicht selten war es die künstlerische Praxis selbst, die vermittelnde Formate hervorgebracht hat. Der diskutierte „educational turn“,  schlägt insofern einen Perspektivwechsel vor, als das er das Vermittelnde, Schulische, Lernende und Lehrende selbst in den Blick nimmt und damit die Kunsthochschulen als Bildungsinstitutionen zur Selbstreflexivität verpflichtet.

„Schools of Art“ wünscht sich den transnationalen und transdisziplinären Dialog mit Kunsthochschulen, KünstlerInnen, Kulturschaffenden und TheoretikerInnen und zwar auf mehrere Weisen: Die Projektreihe generiert Zusammentreffen von Studierenden und Lehrenden verschiedener Kunsthochschulen, sie möchte sich künstlerische Arbeitsansätze gegenseitig vorstellen, sowie Fragen nach der Vermittlung von Kunst und die Rolle der Kunsthochschulen in der Wissensgesellschaft miteinander diskutieren. Geplant sind verschiedene kuratorische, diskursive Formate und Module, die sich im Rahmen der Ausstellungsreihe „Schools of Art“ dynamisch definieren werden und je nach dialogischer Projektkonzeption unterschiedliche Erscheinungsformen annehmen werden.

Für den Auftakt hat die Hochschule für Bildende Künste Dresden die Pariser Kunstakademie eingeladen, war doch die Pariser Akademie Ausgangspunkt und Modell aller Akademieneugründungen im 18. Jahrhundert – und auch unmittelbares Vorbild der 1764 gegründeten Dresdner Kunstakademie.

In einem 2 wöchigen Workshop ab 21. April werden sich Pariser AbsolventInnen und Dresdener Kulturschaffende auf unterschiedliche Art begegnen. Eröffnet wird „Schools of Art, Vol.I“ am 29. April um 19 Uhr im Oktogon, dem Ausstellungsraum der Hochschule für Bildende Künste Dresden, mit Arbeiten der AbsolventInnen Ivan Argote, Pauline Bastard, Lætitia Benichou, Alexandre Désirée, Rebecca Digne, Assaf Gruber, Sophie Lamm, Jean-Baptiste Mognetti, Asamϊ Nishimura, Clémence Renaud, Julien Segard und  Antoine Yoseph.

„Schools of Art“ 2010 wird maßgeblich unterstützt von der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Deren Vorstandsvorsitzender, Joachim Hoof, sagt: „Die Hochschule für Bildende Künste Dresden öffnet ihre Pforten und lädt zum kulturellen Dialog ein. Sie setzt damit ein klares Zeichen, dass die Kunst- und Kulturstadt Dresden offen ist für die Welt und die Welt eingeladen nach Dresden ist. Ein Vorhaben, das wir als regionales Finanzunternehmen sehr gern fördern“.

Schools of Art
Vol.I
AbsolventInnen der École Nationale Supérieure
des Beaux Arts Paris

Eröffnung am 29.4.2010 um 19 Uhr
30.4.- 20.6.2010
Oktogon der Hochschule für Bildende Künste Dresden
Georg-Treu-Platz
01067 Dresden
Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr

Mit freundlicher Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks und der Ostsächsischen Sparkasse Dresden