250. Jubiläum der Hochschule für Bildende Künste Dresden

In  2014 feierte die Hochschule für Bildende Künste Dresden ihr 250-jähriges Bestehen.

Während des gesamten Jahres stellte die Hochschule die verschiedenen Studiengänge in Projekten vor und gestaltete die Feierlichkeiten selbst als künstlerische Interventionen unter Einbeziehung der Studierenden und der Lehrenden.
Bereits im Herbstsemester 2013/14 begann eine Vortragsreihe zu aktuellen Fragen künstlerischer Produktion und ihren kulturgeschichtlichen und ästhetischen Grundlagen, die auf den Gründungstag am 6. Februar 2014 hinführte. Dabei sollten wichtige Positionen im Bereich der Geisteswissenschaften, des Kuratorischen, der Kunst und Gesellschaft zu Wort kommen – etwa Horst Bredekamp, Susanne Pfeffer, Anke te Heesen oder Hans Haacke – und so ein überregionales und internationales Publikum auf die gesellschaftliche Rolle von Kunsthochschulen im 21. Jahrhundert aufmerksam machen.
Am 6. Februar 2014, dem Jahrestag der Gründung, fand ein Festakt und die Eröffnung der große Jubiläumsausstellung im Oktogon, dem faszinierenden Ausstellungstrakt der Hochschule, als erster Höhepunkt des Jahres statt.
Diese Ausstellung realisierte keine Ausstellung über, sondern eine Ausstellung mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Die Besucher wurden auf eine assoziative Reise in Form eines essayistisch konzipierten Ausstellungsparcours mit historischen und aktuellen Bezügen geschickt, die explizit keine chronologische Heroenerzählung sein wollte.

Das Kuratorenteam Matthias Flügge, Susanne Greinke und Dietmar Rübel schöpften aus dem reichen Fundus der hochschuleigenen Sammlung wie des Archivs, ergänzt durch Leihgaben von Museen und Sammlungen aus der ganzen Bundesrepublik. So wurde in der Ausstellung u.a. die Rolle der Frau in der frühen Akademiegeschichte anhand der Werke des Akademiemitgliedes Rosina de Gasc mit einem Selbstportrait von 1767 oder mit Arbeiten der Zeichenlehrerin Caroline Therese Richter aus der Zeit um 1800 beleuchtet und mit dem Rollenverständnis der Gegenwart verknüpft. Dabei trafen ihre Werke auf künstlerische Arbeiten aktuell Studierender. Die Ausstellung verwies aber auch auf wichtige Debatten, die von der Akademie angestoßen wurden, etwa Fragen zur Polychromie im 19. Jahrhundert, zur gesellschaftlichen Kälte der 1920er Jahre, aber auch zum Einfluss der Professoren auf die Kunstpolitik des Nationalsozialismus.
Die einzigartige Kollektion von Röntgenaufnahmen historischer Gemälde des Restaurators Kurt Wehlte, deren Anfänge bis in die 1920er Jahre zurückreicht, regte ein Studierendenduo zu einer zeitgenössischen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem historisch bedeutsamen Bildschatz an. Ein eigener Raum war den ästhetischen und politischen Debatten in der frühen DDR, insbesondere auf dem Feld der sogenannten freien und angewandten Kunst gewidmet.
Die Besucherinnen und Besucher hatten die Gelegenheit, anhand ausgewählter Werke und Artefakte besondere Momente der Hochschulvergangenheit nachzuvollziehen. Die Ausstellungsobjekte bewegten sich vom künstlerischen Werk zur Aktennotiz und individuellen Erinnerungen, die jeweils auf ihre Weise den facettenreichen Kosmos der Dresdner Kunstakademie abbildeten. Gezeigt wurden unter anderem Arbeiten von Schenau, Gottfried Semper und Julius Scholz, Sascha Schneider, Otto Dix, Richard Müller und Hans Grundig über Wilhelm Lachnit, Gerhard Richter, Strawalde, A. R. Penck bis zur gegenwärtigen Generation von Studierenden.
Im Zentrum steht die Kunst
Während des gesamten Jahres 2014 realisierte die Dresdner Kunstakademie neben den obligatorischen Veranstaltungen in Lehre und Forschung (z.B. die Diplom- und Jahresausstellungen, die Semesterprojekte und -präsentationen) eine Vielzahl zusätzlicher Projekte, etwa eine Opernproduktion mit der Dresdner Musikhochschule.
Ein großes Kooperationsprojekt in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, die „Dresdner Anatomie“ fand im April und Mai 2014 statt. Dabei handelte es sich um eine Reihe von Annäherungen und Raumerfindungen, um Kompositionen, visuelle und auditive Musik, Videos, eine situative Perfomance und ein installatives Konzert. Grundlage dieser gemeinsamen Arbeitenwaren einzelne Sammlungsstücke aus dem umfangreichen Archiv der Hochschule für Bildende Künste Dresden.
Am 20. und 21. Juni 2014 veranstaltete der Studiengang Theaterausstattung ein interdisziplinäres Kolloquium mit Alumni, Theaterfachleuten anderer Sparten, Veranstaltern und Fachfirmen, um aktuelle und zu erwartende Trends sowie neue Anforderungen an die künstlerische Lehre in diesem Studiengang zu erörtern. Flankiert wurde das Kolloquium von einer Ausstellung mit ausgewählten Absolventen- und Studienarbeiten.
Das Sommersemester kulminierte Mitte Juli in einer phantasievollen Bühnenschau. In der phantasiereiche Präsentation der Studierenden verbanden sich Elemente des Theaters, der Mode, des Tanzes und der Musik zu einem kunstvollen Spektakel. Die Abendveranstaltung reihte sich ein in die Tradition der Künstlerfeste, die - nicht nur in Dresden - zwischen Opulenz und Improvisation oszillieren.
Ende November richtete die Hochschule eine interdisziplinär ausgerichtete internationale wissenschaftliche Tagung aus, bei der die Geschichte der bedeutenden Anatomischen Sammlung der HfBK, aktuelle Erhaltungsinitiativen und Möglichkeiten einer zukünftigen Präsentation sowie die Rolle der anatomischen Ausbildung in der künstlerischen Lehre  beleuchtet wurden. Die HfBK Dresden besitzt mit über 500 Objekten die größte und kompletteste an einer Kunsthochschule erhaltenen Lehrsammlung zur Human- und Tieranatomie. Die Anfänge der künstlerischen Anatomielehre in Dresden liegen bereits in der Gründungsphase der Akademie vor 250 Jahren. Der Maler Giovanni Casanova begann kurz nach seiner auf Empfehlung Winckelmanns erfolgten Berufung nach Dresden mit seinen berühmten Anatomie-Vorlesungen und schaffte das erste menschliche Skelett an. Zum herausragenden Bestand der Sammlung gehören unteranderem 14 Bänderskelette, davon sieben in antiken Posen. Ebenso bemerkenswert sind 22 sehr wertvolle Wachsmodelle nach Kurriger, die um 1800 datieren.
Weitere Projekte wurden in Kooperation mit der Schwesterinstitution HGB Leipzig realisiert, darunter Ausstellungen im Sächsischen Landtag und der Ländervertretung des Freistaates in Berlin, aber auch studentische Projekte oder neue Lehrformate – wie der klassenübergreifende Austausch von Studierenden zwischen den Hochschulen.
Durch Kooperationen mit städtischen und staatlichen Einrichtungen wurden die vielfältigen Verflechtungen der Akademie in Geschichte und Gegenwart in die Stadt getragen. Im Herbst 2014 realisierte die Akademie eine Ausstellungskooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die  als letzter fulminanter Höhepunkt den Abschluss dieses Jubiläumsjahres darstellte.

Der US‐amerikanische Künstler Mark Dion durchforstet die Depots und Archive weltberühmter Institutionen, um die tradierten Ordnungssysteme zu befragen, mit denen Dinge gesammelt und präsentiert werden. Aus den Dresdner Expeditionen in die sonst unsichtbaren Speicher entstanden in den hochschuleigenen Ausstellungsräumen im Oktogon ein Laboratorium der Kunst, mit dem die in Vergessenheit geratenen Schätze der Sammlungen in den Blick genommen wurden. Die Räume wurden in eine „Akademie der Dinge“  verwandelt und die Geschichten der Objekte aus einer künstlerischen Perspektive neu erzählt. In Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erweiterte Mark Dion seine Ausstellung durch zwei „Satelliten“ im Grünen Gewölbe und im Albertinum.

Als Vernissage fand ein zweites internationales Symposium „Curiositiy 2.0. Die Wunderkammer in der zeitgenössischen Kunst“ zum Ende der Ausstellung von 16. bis 17. Januar 2015 statt, dass sich kritisch den zahlreichen Bezugnahmen von zeitgenössischen Kunstwerken auf Wunderkammern und die Auswirkungen dieser Auseinandersetzung auf museale Präsentationsformen widmete.

Stellenwert der Kunst in der heutigen Gesellschaft
Die Errichtung der Akademie im Jahre 1764, knapp ein Jahr nach Ende des siebenjährigen Krieges, war von der Überzeugung der Gründer geprägt, dass die Förderung und Ausbildung der Künste einen unverzichtbaren, stimulierenden Effekt auf die darniederliegende Ökonomie und die gesellschaftliche Entwicklung ausüben wird.
Heute vorherrschende Auffassungen messen der künstlerischen Ausbildung im Vergleich zur Gründungszeit oftmals allzu kurzsichtig nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Das Jubiläum war daher auch ein Anlass, um über gegenwärtige und zukünftige Perspektiven der Hochschule und ihre Rolle im Kunst- und Geistesleben nicht nur in Dresden und Sachsen sondern auch im internationalen Kontext nachzudenken.
Freunde und Förderer

Das 250. Jubiläum der Dresdner Kunstakademie wurde von zahlreichen Förderern unterstützt. Wir danken dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, der Kulturstiftung des Bundes, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der Sparkassenversicherung Sachsen, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Landeshauptstadt Dresden, dem Studentenwerk Dresden, dem Verein Talentschmiede e.V., dem Freundeskreis der Hochschule für Bildende Künste Dresden sowie zahlreichen Förderern von Einzelprojekten.