Netzwerk Kreativ 2015 - die Teilnehmerinnen stellen sich vor

Lisa Pahlke

Ich habe Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste in Dresden studiert und mein Fokus liegt zur Zeit auf reliefartigen Linien-zeichnungen. Ich lasse diese durch Überlappungen von Strichen räumlich wirken und lege es auf eine kurze Irritation an, die dem Betrachter erst beim genaueren Hinsehen die Machart des Werkes verrät. Auch Fotogramme, Installationen und Plastiken sind Medien mit denen ich mich gerne beschäftige. Neben der Kunst interessiere ich mich auch sehr für Vereinsarbeit. Vor einem Jahr habe ich einen Tierschutzverein mitgegründet und bewege mich schon seit Jahren in vielen Vereinen und Projekten, welche ich nie geschafft habe mit meiner küntlerischen Seite zu verbinden. Deshalb habe ich mich dem Netzwerk Kreativ angeschlossen und nun meine Idee realisiert.

KONZEPT: KARAMBOLGAE

Ein Raum zum Sein. Dieser Raum steht voll mit Büchern, die vor Ort gelesen, ausgeliehen oder teilweise auch einfach mitgenommen werden können. Es ist gemütlich, es kann Café und Bier auf Spendenbasis getrunken oder Kuchen gegessen werden. Doch der Konsum steht nicht im Vorder-grund. Unsere Spezialität ist das Planen von Zufällen. Leute kommen zur Tür herein, bringen eine Gitarre mit oder kennen jemand, der Gedichte schreibt und: schwupps, schauen wir in unseren Terminkalender und planen eine Lesung, ein Asyltreffen, ein Konzert oder stellen den Raum für Vereinstreffen oder andere engagierte Projekte zur Verfügung. Ganz wichtig ist dabei unser Kunst-kasten, der sich innerhalb unseres Off Spaces befindet. Dort können sich Künstler verwirklichen und jeder, der zur Tür herein spaziert und vielleicht nur ein Orangensaft trinken wollte, wird auf die aktuell ausstellenden Künstler aufmerksam gemacht. Es gibt also immer Gesprächsstoff, dem Betrachter bleibt es aber frei überlassen, ob er oder sie wieder im vorderen Bereich sich unterhalten oder im Kunstkasten verweilen möchte. Wir erhoffen uns das Aufeinanderprallen von den verschiedensten Menschen mit den verschiedensten Ideen und Beweggründen, die bei uns auftauchen und sich gegenseitig befruchten. Eben Karambolagen. www.karambolage.org/blog/

Sophie Uchmann

Ich bin Künstlerin. Zur Zeit liegt mein bildhauerisches Interesse darin, ein Material, einen Gegenstand mit Ton zu modellieren, dann abzuformen und in einer anderen, fremden Stofflichkeit wiederzugeben. Es interessiert mich, eine Irritation herzustellen und Alltäglichkeiten leicht zu verschieben.

KONZEPT: LEBENSPROJEKT KÜNSTLERLEBEN

Bei den Netzwerk–Kreativ Treffen bin ich mit Themen und Leuten in Berührung gekommen, die für meine Arbeit als Selbstständige teilweise sehr interessant und bereichernd sind. Leider hatten sich fast keine Teilnehmer aus anderen Hochschulen beworben, das wäre für mich sicherlich spannend gewesen. Aber auch so habe ich neue, interessante Leute kennengelernt, mit denen bestimmt weiterhin ein reger Austausch stattfinden wird. Durch das Netzwerk gehe ich strategischer an Bewerbungen heran, habe mein Portfolio neu gestaltet. Da ich ein kleines Kind habe, passt eine Unternehmensgründung aktuell nicht in meine Lebensplanung. www.sophieuchman.de

Sabine Hauptmanns

Ich studierte Malerei und Performance an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig und am Centro Nacional de las Artes in Mexico City. An der HfBK Dresden machte ich 2012 mein Diplom als Kunst-therapeutin. Ich arbeite sowohl künstlerisch als auch kunsttherapeutisch.

KONZEPT: DIEVOTIVE

Die Votive greift die Tradition alter Votivmalerei wieder auf. Bilder können in Auftrag gegeben werden. Jeden Monat wird ein Votivbild über ein Plattform versteigert. Meine Beschäftigung mit der Votivmalerei hat ihre Wurzeln Mexiko. Welche Bilder gehen, welche Bilder bleiben, zwischen Drogenkrieg und Realität? Ich stehe in Mexico City in einem kleinen blauen Haus. Um mich herum sind die Wände vollgestopft mit kleinen Ölmalereien – Votiven -  aus drei Jahrhunderten. Eine rincón de los Milagros - Eine Wunderecke. „Aber warum malst du nicht selbst Votivbilder? Du bist doch eine Malerin?“ Alfredo blickt mich ernsthaft an. Er ist pintor del barrio und setzt die Tradition der Votivmalerei fort, wie sie in Mexiko noch immer existiert. Eine Vermischung aus katholischem Gedankengut, indigenen Wurzeln und schrillen modernen Lebensinhalten. Er bringe die Gebete zu Gott, sagt er bescheiden. Ein Votiv ist eine Dankesgabe, die in allen Religionen existiert. Man bringt sie an heiligen Stätten an, zu Hause oder an Altären. DIEVOTIVE spricht das universelle Gefühl des Dankes an - unabhängig von katholischem Gedankengut oder nationalen oder sozialen Grenzen. Votive können innig sein, fiktiv, zynisch, authentisch, lapidar, aufgeladen, ehrlich, mitteilsam oder verschlossen. Sie transportieren ein Stück Leben. Durch das Netzwerk Kreativ fand ich innerhalb einer Gruppe aus Künstlern, Kreativen aus anderen Fachbereichen und Gründern konkrete Unterstützung dafür,  meine Idee näher in die Realität zu tragen. Pragmatische spezifische Probleme wie das Umsetzen einer Website finden dort durch ein Team und die eingeladenen Referenten genauso professionelle Beratung wie Fragen der eigenen Grundhaltung: wie stehe ich zu dem Projekt, was ist mir wichtig? Und was nicht. Und warum? www.dievotive.de

Maria Katharina Franz

Ich heiße Maria Katharina Franz und bin 1987 in Dresden geboren. Seit Oktober 2013 studiere ich an der HfBK Dresden im Studiengang Bildende Kunst.

KONZEPT: LEBENSPROJEKT KÜNSTLERLEBEN

Ich bin auf der Suche nach mir und meinen Möglichkeiten. Dabei halte ich es für grundsätzlich wichtig, Augen und Ohren für Chancen und Möglichkeiten zu öffnen. Bei Netzwerk-Kreativ finde ich die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten in einen Austausch zu kommen. Durch geschlossene Ateliertüren dringt mir zu wenig Realität. Diese drischt jedoch gnadenlos auf einen ein, wenn man sich mit ihr nie befasst hat.Als Künstlerin und Mutter ist es daher meine Pflicht, heute darüber nachzudenken wovon ich morgen leben werde. Durch Netzwerk-Kreativ habe ich die Möglichkeit, ein Konglomerat aus Wissen, Beobachtungen, Tendenzen, Meinungen und Ideen einzuholen - ein Geschenk, welches mir bei der Ausgestaltung meiner Zukunft helfen kann.

Annika Stoll

Ich studiere seit  2011 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden in der Fachklasse für interdisziplinäre und experimentelle Malerei bei Prof. Christian Sery. Hauptbestandteil meiner künstlerischen Arbeit ist die spielerische und prozesshafte Auseinandersetzung mit Kommunikation, Psychologie und Technologie. Mich interessieren die Spannungsfelder, die zwischen diesen Bereichen bestehen. Ich untersuche Phänomene des Zwischenmenschlichen im digitalen Zeitalter und die Reflexion über Dinge, die nicht greifbar, aber allgegenwärtig sind. Es geht also um Themenbereiche die uns alle betreffen und die nicht mehr aus unserem alltäglichen Leben wegzudenken sind, wie z.B. Soziale Netzwerke, Virtual Reality, künstliche Intelligenz etc.Meine Arbeiten sind nicht an ein bestimmtes Medium gebunden, aber im Großen und Ganzen bewege ich mich im Bereich der neuen Medien. Da ich der Ansicht bin, dass das strikte Abtrennen von Kompetenzbereichen nicht zeitgemäß ist, halte ich es für wichtiger denn je Grenzen im Denken und Handeln zu überwinden. Vor allem in Bezug auf die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen hier in Dresden ist es notwendig, wach zu sein und Dinge in die Hand zu nehmen. Ich möchte aktiv dazu beizutragen, dass etwas passiert.

KONZEPT: OFF SPACE

Dafür braucht es meiner Meinung nach mehr Orte des Zusammentreffens, des gemeinsamen kreativen Arbeitens, des Austausches, der Möglichkeit sich untereinander zu Vernetzen, zu Diskutieren, zu Entfalten und Auszuprobieren. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, einen Raum für eine Atelier- und Bürogemeinschaft für Menschen aus unterschiedlichen Kompetenzbereichen zu öffnen und daraus einen Off Space zu generieren für Ausstellungen, Diskussionsrunden, Filmabende, Workshops etc. Dabei ist es einerseits wichtig, dass die Finanzierung des Raumes gewährleistet ist. Als zweiter Schritt steht an, Mitstreiter zu finden und gemeinsam ein stimmiges Konzept zu entwickeln. Der Input vom Netzwerk Kreativ hilft mir enorm und ich bin gespannt, wie sich das ganze Projekt weiterentwickeln wird.

Elise Sophia Richter

Ich studiere seit 2010 Bühnen- und Kostümbild an der HfBK Dresden und bin im Netzwerk Kreativ, weil ich den gegenseitigen Austausch über Projektideen sehr bereichernd finde. Neben meiner künstlerischen Arbeit beschäftige ich mich mit dem Thema Nachhaltigkeit und vertrete die Vision von einer Welt, in der ein rücksichtsvoller Umgang mit Ressourcen praktiziert und weniger Müll produziert wird.

PROJEKT: MATERIAL-FLUSS I AUFBAU EINER PLATTFORM FÜR MATERIALTAUSCH

Bei der Umsetzung meiner ersten eigenen Bühnenbildentwürfe stellte sich mir angesichts geringer finanzieller Budgets oft die Frage nach geeignetem Material: Wo bekomme ich Baumaterial her, das günstig ist und trotzdem den Qualitäts-Anforderungen entspricht? Wie kann ich erreichen, dass der Materialeinsatz auch einem Theaterstück mit nur wenigen Aufführungen oder  temporären Architekturen gerecht wird? Auf der anderen Seite habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele noch brauchbare Dinge  von Theater- und Opernhäusern,  Messe- und Dekorationsbaufirmen sowie Museen weggeworfen werden, weil es an Lagerraum fehlt oder der Aufwand des  Weiterverkaufs teuer wäre als die spätere Neuanschaffung. An diesem Punkt möchte ich mit meiner Projektidee ansetzen und ein Konzept für einen ressourcenschonenden Materialkreislauf entwickeln, der dem Trend der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzt. In Form einer Web-Plattform sollen verschiedene Interessen vernetzt, d.h. ‚Suchende‘ und ‚Habende‘ zusammengeführt werden. Ähnlich einem schwarzen Brett sollen Inserate mit Angeboten geschaltet und Suchanfragen gestellt werden können. Um teilnehmende Partner und Materialgeber zu akquirieren, muss zunächst der Kontakt zu Theater- und Opernhäusern, Museen, Messen, Filmproduktionsfirmen usw. hergestellt werden. Das Portal kann nur funktionieren, wenn genügend beteiligte Partner sich bereit erklären, ihre Materialien zur Verfügung zu stellen und viele Abnehmer das Angebot nutzen. Das klingt jetzt erstmal nach viel trockener Arbeit und Organisation, um wirklich an den Punkt zu gelangen, dass Materialien für künstlerische und soziale Projekte eine neue Verwendung finden können. Und genau an diesem Punkt sind wahrscheinlich alle bisherigen Versuche gescheitert. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass es möglich ist, einen veränderten Umgang mit Ressourcen zu erreichen und den Blick zu schärfen, was  für Potentiale noch in gebrauchten, benutzten Dingen stecken und welche Möglichkeiten diese vielleicht noch anderen Menschen bieten können. Auch wenn schon viele Versuche in Richtung Recycling /Upcycling unternommen werden, ist das gesamt-gesellschaftliche Bewusstsein /Interesse dafür noch zu gering. Grund dafür ist sicher auch die inzwischen extreme Geld-Zeit- Diskrepanz, durch die der Faktor ‚Aufwand‘ schnell zum Ausschlusskriterium wird. Bei wem Geld keine Rolle spielt, darf nichts  Zeit kosten, wer keine Geld hat ist u.U. eher bereit, Zeit‚ zu investieren‘, um etwas zu bekommen. Auf der anderen Seite haben wir den Vorteil, in einer Zeit zu leben, in der Vernetzung und Informationsaustausch über soziale Netzwerke und Online-Plattformen unglaublich schnell und einfach geschieht. Das heißt, die Information muss nur verbreitet werden und der Rest organisiert sich bei guter Vernetzung im Idealfall selbst. Für die Umsetzung dieser Idee suche ich noch Mitstreiter, die mit mir gemeinsam mögliche Partner ins Boot holen, die logistische Struktur aufbauen und eine Lösung entwickeln, wie der Organisationsaufwand langfristig bewältigt werden kann.

Marie Athenstaedt

Ich bin Meisterschülerin bei Prof. Christian Macketanz. In den letzten Jahren waren großformatige, stark farbige Galaxien und Wolken-formationen Kernpunkt meiner Arbeit. Nun entwickelt sich jedoch etwas Neues. Zeichnungen von fremden Objekten und Himmelskörpern entstehen. Malereien mit organischen Formen und Spiegelungen.
Noch immer ist das Erforschen des Unbekannten wichtig. Von der Unendlichkeit des Universums bewege ich mich nun zu den faszinierenden Geschöpfen der Unterwasserwelt.

PROJEKT: OCTOPUS´GARDEN

Reisen sind Inspiration, Futter für Seele und Geist, sie erweitern den Horizont und lassen neue Ideen sprießen. Nicht umsonst gingen die Künstler auch in der Vergangenheit gern auf Reisen, wanderten durch fremde Landschaften, erkundeten andere Kulturen, streiften ihren Alltag von sich und ließen aus diesen Begegnungen heraus Kreativität sprießen. Gereist bin ich schon immer gern. Als kleines Kind bestiegen meine Eltern mit mir den Mont Blanc. Erlebnisse wie dieses haben eine tiefe Ehrfurcht und Faszination für die Ewigkeit und die Gewalt der Natur in mir geweckt, die sich auch in meinen Gemälden wiederfindet. Anhand der Schwefelwolken in Vulkanen habe ich begonnen, mich näher mit diesem Landschaftsphänomen auseinanderzusetzen, weil mich die Fremde, die Weite, das Unbekannte, das diese Nebel verhüllen, faszinierte. Licht und Farbe spielen – wie in der Landschaft auch – deshalb eine wichtige Rolle in meinen Bildern. Diese Universen aus Nebel sind ein Teil von mir, so tief, dass ich sie auch in der Enge meines Ateliers in Dresden auf Leinwand bannen kann. Gleichzeitig packt mich dabei jedoch die Sehnsucht danach, neue Wege zu gehen, andere Länder, fremde Landschaften zu entdecken – und ihnen mit meinen Bildern Ewigkeit zu verleihen. Auf meiner ersten Zeichenreise nach Indonesien habe ich zum ersten Mal erfahren, wie die Kombination aus Freiheit und Fremde zum Motor für meine Kunst wurde. Ich habe auf meiner Indonesienreise aber auch arbeitstechnisch neue Wege beschritten: Zum ersten Mal seit langer Zeit war ich nicht mit Pinsel, Ölfarbe und Leinwand unterwegs, sondern erkundete den Mikrokosmos der Kokosnuss in all seinen Variationen mit Bleistift und Zeichenpapier. Für mich hat sich dabei eine Welt eröffnet, die wie ein mikroskopisches Pendant zu meinen Universen in Öl erscheint – und zu der sich mir in meiner gewohnten Umgebung zu Hause niemals eine Tür aufgetan hätte. Ich plane eine weitere Zeichenreise. Nach Australien soll es ab September 2016 für ein Jahr gehen, um an diese Erfahrung nun anzuknüpfen. Ich möchte in der Natur dieses Landes neue Formen, andere Farben entdecken, die Unterwasserwelt des Great Barrier Reefs erforschen und mit meinen Bildern ein kleines Stück Ewigkeit im steten Wandel der Natur festhalten. Ich möchte mit meinen Werken Ergriffenheit beim Betrachter erzeugen, die Menschen animieren, inne zu halten und sich den Formen und der Schönheit der Natur in unserer schnelllebigen Zeit wieder bewusst zu werden. Dem Gedanken an die Ewigkeit der Natur wohnt auch ein Aspekt der Entschleunigung, der Zurücknahme von allem, was uns vom Wesentlichen oft ablenkt, inne. Nicht zuletzt ist das Festhalten natürlicher, scheinbar ewiger, aber doch ständiger Veränderung unterworfener Vorgänge im Bild auch als Appell an einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu verstehen. Mein urinnerstes Naturerleben, die Ergriffenheit in der Anschauung der Natur und das gleichzeitige Begreifen von Vergänglichkeit werden so auch zu einem gesellschaftlichen Kernthema meiner Bilder. Zu dieser Reise soll eine Ausstellung entstehen, die ich sowohl hier in Deutschland als auch in Australien zeigen möchte. Außerdem werde ich einen Reiseblog schreiben. Auf all meinen großen Reisen war das ein wichtiger Teil, um mal das Staunen, mal das Chaos für mich festzuhalten und Freunde, Familie und Interessierte auf dem Laufenden zu halten.Damit ich mir diese Reise finanzieren kann, suche ich Finanzierungspartner und erarbeite ein Konzept, um mich für Stipendien bewerben zu können. www.marieathenstaedt.de