Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Bildwerken und Raumausstattungen

  • Arbeit im Atelier
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  • Blick in ein Diplomatelier der Fachklasse
  • Untersuchung mit UV-Strahlung, 1. Studienjahr

Profil

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Fachklasse liegt in der Untersuchung, Konservierung und Restaurierung gefasster hölzerner Bildwerke, Tafelbilder und Raumausstattungen aus dem sakralen wie auch profanen Bereich. Neben dem traditionellen Trägermaterial Holz erstreckt sich das Lehrgebiet auch auf moderne und zeitgenössische Materialien sowie über verschiedenste Materialkombinationen bis hin zu Goldleder. Zusätzlich dazu sollen den Studierenden die notwendigen Fähigkeiten vermittelt werden, um die besonderen Anforderungen im Bereich der Projektplanung und -leitung zu bewältigen, welche sich dem Restaurator etwa in der Denkmalpflege bei der Erhaltung komplexer Innenraumgestaltungen im Sinne von Gesamtkunstwerken stellen.

Das Studium beinhaltet in enger inhaltlicher Verzahnung sowohl vielfältige theoretische als auch umfangreiche fachpraktische Lehrinhalte, wobei letztere grundsätzlich an originalen Kunstwerken aus öffentlichem Besitz vermittelt werden. Die intensive Kooperation mit Denkmalpflegeämtern, Museen, kirchlichen Institutionen und Schlösserverwaltungen auch über die Grenzen Deutschlands hinweg ermöglicht dabei einen unmittelbaren Praxisbezug. Dem ausgesprochen interdisziplinären Charakter des Restauratorenberufes wird das Studium mit zahlreichen Forschungsprojekten unter Beteiligung aller Fachklassen und Lehrgebiete des Studienganges sowie in enger Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen gerecht. 

Geht man vom Bildwerk als Sammelbegriff für alle plastischen Arbeiten der Bildhauerei aus, so umfasst das Lehrgebiet grundsätzlich alle dreidimensionalen Kunstwerke unabhängig von ihrer materiellen Zusammensetzung und Entstehungszeit. Den Studierenden wären in dieser uneingeschränkten Breite Kenntnisse und Fertigkeiten in zahlreichen Materialbereichen, angefangen von Holz und Stein über Pappmaché, Stuck, Leder und Keramik bis hin zu den verschiedensten Metallen und Kunststoffen einschließlich ihrer jeweiligen Oberflächengestaltungen zu vermitteln. Die Einbeziehung der Trägermaterialien ist dabei unerlässlich, da eine Konzentration der Ausbildung nur auf die Oberflächengestaltungen und deren Erhaltung die Anforderungen der restauratorischen Berufspraxis verfehlen würde. Nach dem Studium sollen die Absolventen in der gewählten Fachrichtung über all diejenigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die sie zur eigenständigen und eigenverantwortlichen, wissenschaftlich fundierten und sachgerechten Aufgabenerfüllung befähigen und die ihrer Verantwortung gegenüber dem Kunst- und Kulturgut sowie ihrer besonderen Vertrauensstellung zum Auftraggeber gerecht werden. Betrachtet man die auf unserem Berufsfeld stattgefundene Entwicklung der zahlreichen restauratorischen Spezialisierungsrichtungen und ihrer jeweiligen spezifischen Anforderungen an das Wissen und die praktischen Fähigkeiten, so wird rasch deutlich, dass im Rahmen eines fünfjährigen Studiums eine solch breite Materialpalette nicht in der zwingend erforderlichen Tiefe zu bewältigen wäre. Deshalb ist es notwendig, die grundlegenden Ausbildungsinhalte auf einige, für die zukünftige berufliche Tätigkeit und wirtschaftliche Existenz der Absolventen aussichtsreiche Material- beziehungsweise Objektgruppen zu konzentrieren.  Gleichzeitig werden den Studierenden aber entsprechend ihrer Interessen individuelle Vertiefungsmöglichkeiten im Rahmen der praktischen Fachklassenausbildung und der Seminar- und Diplomarbeiten geboten. Darüber hinausgehende Spezialisierungsrichtungen eröffnen sich auch über entsprechende Promotionsthemen.

Die an unserer Hochschule bestehende jahrzehntelange Tradition in der Erforschung und Erhaltung gefasster Holzbildwerke aller Herkunftsgebiete und Epochen soll als ein Hauptpfeiler des Lehrgebietes weitergeführt und gezielt weiterentwickelt werden. Durch den sehr reichen Bestand an polychromen Altarwerken und Einzelskulpturen und die gerade hier in Sachsen schon über mehr als einhundert Jahre währende intensive restauratorische Beschäftigung mit diesem Arbeitsgegenstand können bereits bestehende Kooperationen mit Museen, Landesämtern für Denkmalpflege und namhaften Forschungseinrichtungen und somit ein umfangreicher Erfahrungsschatz in die Ausbildung einfließen. Beispielgebend seien hier Gebiete wie die Dekontaminierung und Entölung von Holzobjekten oder die statisch-konstruktive Sicherung von Altarretabeln genannt. Dies wiederum eröffnet zahlreiche Möglichkeiten auch für die Zusammenarbeit im internationalen Rahmen. Angesichts der besonderen Bedeutung polychromer Holzbildwerke in nahezu allen Kulturen dieser Welt und deren überaus reichen Bestandes ist nicht zuletzt zu erwarten, dass dieser Fachbereich den Absolventen später auch gute wirtschaftliche Existenzmöglichkeiten bieten kann.

Auch wenn Bildwerke aus Stein oder Metall wegen der dafür notwendigen materialspezifischen Kenntnisse und Erfahrungen sowie der besonderen technischen und räumlichen Anforderungen nicht im Focus des Lehrgebietes stehen, so sollen aber zumindest grundlegende Kenntnisse vor allem zu den dort vorkommenden Fassungstechniken vermittelt werden. Denn diese stehen vielfach in einem engen künstlerischen und kunsttechnologischen Kontext zu Oberflächengestaltungen auf hölzernen Objekten.

Da der Bildträger Holz in Kombination mit verschiedensten Materialien sowie Fassungs- und Dekorationstechniken zudem eine Schlüsselrolle sowohl in den sakralen als auch in den profanen Innenraumgestaltungen nahezu aller Epochen einnimmt, soll dieser Bereich sinnvoller Weise als ein weiterer Hauptpfeiler in die Forschung und Lehre einbezogen werden. Zu denken ist in diesem Zusammenhang etwa an bemalte und/oder gefasste Wandverkleidungen, Holzdecken, Emporen, Kanzeln und Orgelprospekte. Auch wenn der Schwerpunkt des Lehrgebietes auf Werken der bildenden Kunst liegt, so sind die Grenzen doch fließend. Oftmals sind Elemente der bildenden Kunst mit solchen der angewandten Künste oder des Kunsthandwerks gestalterisch wie materiell untrennbar miteinander verbunden.

In den letzten Jahren hat es vor allem seitens der Kunst- und Architekturgeschichte große Fortschritte in der Wahrnehmung von Innenraumgestaltungen als schützenswerte Kulturgüter mit dem Charakter von Gesamtkunstwerken gegeben, worauf auch die Ausbildungsangebote reagieren müssen. Gerade in der denkmalpflegerischen Praxis ist eine komplexe, über das einzelne Objekt hinausgehende Betrachtungsweise eine unverzichtbare Voraussetzung für den Erfolg und die Nachhaltigkeit aller Erhaltungsmaßnahmen. Dies gilt nicht nur unter ästhetischen Gesichtspunkten beim Umgang mit Raumausstattungen als Gesamtkunstwerk. Zu berücksichtigen sind auch die außerordentlich komplexen Wechselbeziehungen der verschiedenen Material- oder Objektgruppen sowohl untereinander als auch mit der umgebenden Bausubstanz in technisch-konstruktiver und bauklimatischer Hinsicht. Die Interieurrestaurierung erfordert deshalb in ganz besonderem Maße neben einem entsprechend breiten Wissen ein vernetztes Denken, eine ganzheitliche Betrachtungsweise sowie den Willen und die Fähigkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit. Eine berufliche Befähigung für Aufgaben im Bereich der Interieurrestaurierung soll dabei die einzelnen restauratorischen Fachgebiete nicht ersetzen oder verdrängen, sondern gezielt miteinander vernetzen und so die Voraussetzungen für eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit etwa in projektbezogenen Arbeitsgemeinschaften schaffen.

Für Objekte aus Goldleder als möglicher Bestandteil von Raumausstattungen bestehen weltweit noch keine Ausbildungsmöglichkeiten. Hier können im Rahmen des Studiums ein Überblick über die spezielle Problematik gefasster oder bemalter Lederobjekte vermittelt und interessierten Studierenden aus dem In- und Ausland individuelle Spezialisierungsmöglichkeiten angeboten werden.

Die theoretischen Lehrangebote werden durch die intensiv betreute fachpraktische Arbeit an Originalobjekten in den großzügig dimensionierten und sehr gut ausgestatteten Atelierräumen der Fachklasse ergänzt. Weitere Vertiefungsmöglichkeiten ergeben sich für die Studierenden nicht zuletzt im Rahmen von Hochschulprojekten und akademischen Sommerschulen vor Ort sowie durch Praktika in Denkmalämtern, Museen oder bei freiberuflichen Restauratoren.