Forschungsprojekt zur Untersuchung und Konservierung des Tafelkreuzes im ehemaligen Zisterzienserkloster Pforta

Projektleitung: Hochschule für Bildende Künste Dresden

Ausführung: Dipl.-Rest. Stephanie Exner

Projektbegleitung: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Auftraggeber: Stiftung Schulpforta, Förderin der Landesschule Pforta

Förderung: Marlis Kressner Stiftung, Katharina & Gerhard Hoffmann Stiftung, Stiftung Schulpforta, Pförtner Bund, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Sachsen-Anhalt


Das beidseitig bemalte Holztafelkreuz, datiert in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts, ist ein überregional bedeutsames Denkmal mittelalterlicher Zisterzienserkunst. Mit einer Höhe von fast fünf Metern gehört es zum Typus der monumentalen Kruzifixe. Es ist Bestandteil der ursprünglichen Ausstattung der Kirche und eines der wenigen vor Ort erhaltenen Bildwerke dieser Zeit. Das Besondere liegt in der beidseitigen ausschließlich malerischen Gestaltung: In Deutschland hat sich nur noch ein weiteres gemaltes Kruzifix dieser Größe, dass auf zwei Seiten jeweils Christus am Kreuz zeigt, erhalten. Es befindet sich im ehemaligen Zisterzienserkloster Loccum in Niedersachsen.
Das Tafelkreuz in Pforta nahm, da zu einem bislang unbekannten Zeitpunkt abgenommen und unter ungünstigen Bedingungen gelagert, großen Schaden. So haben sich von der einstigen Pracht der ursprünglichen Bemalung und Vergoldung nur wenige Reste erhalten. Zu Beginn der 1930er Jahre erfolgten durch den Halleschen Amtsrestaurator Albert Leusch die aufwändige Restaurierung und die Rückführung des Kreuzes an seinen heutigen zentralen Platz im Kirchenschiff. Achtzig Jahre nach dieser letzten Instandsetzung zeigten sich erneute umfangreiche Schäden.

Im Jahr  2012 wurde das Tafelkreuz abgelassen und der Erhaltungszustand untersucht. Im Zuge der dringend nötigen Konservierungsmaßnahmen bot sich die außerdem die Gelegenheit, das bislang weitgehend unerforschte Tafelkreuz ausführlich kunsttechnologisch zu untersuchen. Durch das Heranziehen strahlendiagnostischer Untersuchungsmethoden und Materialanalysen soll den vielen offenen Fragen zur historischen Herstellungsweise, zum ursprünglichen Erscheinungsbild und zur Datierung nachgegangen werden.

Seit 2012 liegt das Tafelkreuz aufgebockt in einer hölzernen Einhausung in der Kirche, eingebaute große Fenster bieten Besuchern der Kirche einen Blick auf die Arbeit des Restaurators sowie die Fortschritte der Konservierung und Restaurierung des Kreuzes. In den Semesterferien 2013 und 2014 erhielten Studierende des Studiengangs Restaurierung der HfBK Dresden sowie der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart im Rahmen der sechswöchigen  akademischen Sommerschule die Gelegenheit praktische Erfahrungen zu vertiefen. Nicht zuletzt auch mit Hilfe der Studierenden konnte Ende 2014 die Restaurierung einer Kreuzseite abgeschlossen werden, so dass das Kreuz im kommenden Jahr umgedreht und die zweite Kreuzseite untersucht und konserviert werden kann.

 

 

 

  • Tafelkreuz, Richtung Westen zeigende Seite
  • Tafelkreuz, nach Osten zeigende Seite
  • Abnahme des Tafelkreuzes, September 2012
  • Temporäre Einhausung des liegenden Kreuzes in der Klosterkirche
  • Konservierungsarbeiten durch Studierende im Rahmen der Sommerschule 2013
  • Konservierungsarbeiten durch Studierende im Rahmen der Sommerschule 2013
  • Sicherung der zahlreichen Abhebungen der Bemalung
  • Blick durch die Südfenster ins Innere der Einhausung