Spätmittelalterliche Kunst in der Montanregion Erzgebirge

- ein deutsch-tschechisches Kooperationsprojekt -

 

Das Projekt „ Spätmittelalterliche Kunst in der Montanregion Erzgebirge“ widmet sich der Erforschung der sakralen Kunst des Erzgebirges im Zeitraum von ca. 1450 bis 1550 vor dem gemeinsamen wirtschafts- und kulturhistorischen Hintergrund. Dabei werden die zusammengehörigen Teile der sächsischen und böhmischen Erzgebirgsregion betrachtet. Ziel ist es, im deutsch-tschechischen Dialog die Fachkenntnisse über die spätmittelalterliche Kunst im Erzgebirge zu vertiefen und die grenzüberschreitenden Netzwerke der Kunstgeschichte, Kunstguterhaltung, Denkmalpflege und des Museumswesens zu stärken. In diesem Zusammenhang leistet das Projekt mit der Konservierung und Restaurierung ausgewählter Objekte sowie der umfassenden Einschätzung des konservatorischen Zustands der untersuchten Kunstwerke einen praktischen Beitrag zur Erhaltung des reichen kulturellen Erbes beidseitig der Grenze.

Finanziert aus Zuwendungen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) durch die Sächsische Aufbaubank (SAB) im Kooperationsprogramm „Freistaat Sachsen – Tschechische Republik 2014 bis 2020“ arbeitet das deutsch-tschechische Projektteam seit dem 01. April 2018 in den kommenden drei Jahre an der Umsetzung der gemeinsamen Projektziele.
Dem Gesamtprojekt stehen Zuwendungen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von rund 970.000€ zur Verfügung.

Die Regionalbehörde Ústi mit dem zuständigen Referat Kultur und Denkmalpflege übernimmt als Lead Partner die administrative Projektleitung und konzentriert sich gemeinsam mit dem tschechischen Projektpartner – dem Regionalmuseum in Most – auf die kunsthistorische Untersuchung sowie Konservierung/Restaurierung ausgewählter Kunstwerke. Die Auswahl umfasst fünf Objekte aus dem tschechischen Vorerzgebirge:

 

• Madonna aus Krupka, um 1440 (Regionalmuseum in Teplice)
• Thronende Madonna aus Litvínov, 1400–1410 (Regionalmuseum in Most)
• Votivtafel des Meisters IW aus Most, datiert 1538 (Regionalmuseum in Most)
• sog. Schlussstein von Most/Brüx (Tondo mit der Darstellung einer Anna Selbdritt-Gruppe), 1530–1540 (Regionalmuseum in Most)
• Barbaraaltar, Hans Hesse und Werkstatt, um 1525 (Regionalmuseum in Chomutov)



Umfangreiche naturwissenschaftliche und strahlendiagnostische Untersuchungen zu kunsttechnologischen und restauratorischen Fragestellungen bereiten die Konservierungen und Restaurierungen vor. Die HfBK Dresden übernimmt dabei im Rahmen einer Diplomarbeit 2018/2019 die Untersuchung, Konservierung und Restaurierung des Tondo mit der Darstellung einer Anna Selbdritt-Gruppe aus dem Bestand des Regionalmuseums in Most. Die restaurierten Kunstwerke werden im Rahmen der Abschlussausstellung des Projektes im Regionalmuseum in Most präsentiert und in begleitenden Einzelpublikationen vorgestellt.
Das Regionalmuseum in Most veranstaltet seinerseits im Rahmen des Projektes die Ausstellung „Die Geschichte der alten Stadt Most/Brüx und Heide Mannlová“, die durch ein Fachkolloquium begleitet wird. Die Ergebnisse werden in einem Sammelband veröffentlicht.

Die Erfassung, Untersuchung und Dokumentation des sächsischen Bestandes spätmittelalterlicher Retabelkunst bildet den Schwerpunkt der HfBK Dresden, dem deutschen Projektpartner. Im Rahmen zweier Promotionsvorhaben sollen die Grundlagen für die weitere wissenschaftliche Erforschung von Werkstattzusammenhängen sowie gegenseitigen grenzüberschreitenden Beeinflussungen Sachsens und Böhmens in vorreformatorischer Zeit erarbeitet werden. Diese Wechselwirkungen betreffen sowohl künstlerisch-kulturelle, wirtschaftliche als auch zeit-, religions- und geistesgeschichtliche Aspekte. Die zu erwartenden Projektergebnisse bilden die Ausgangsbasis für die Erforschung des Gesamtbestandes spätmittelalterlicher Retabelkunst in Sachsen und in angrenzenden Regionen. In Kooperation mit weiteren Partnerinstitutionen soll perspektivisch ein umfassendes Corpus-Werk zur spätmittelalterlichen Skulptur und Tafelmalerei entstehen. Die Untersuchung des Bergbaugebietes Freiberg im Rahmen dieses Projektes bildet hierzu den Auftakt, an Hand derer eine geeignete wissenschaftliche Methodik entwickelt und erprobt wird. Literaturrecherchen und der Abgleich mit vorhandenen Datenbanken bilden im ersten Schritt die Grundlage für die Erarbeitung eines karthographischen Überblicks über die Verteilung erhaltener Retabel, Tafelgemälde und Skulpturen der vorreformatorischen Kirchenausstattung.
Informationen werden in Kurzform in einer interaktiven Karte zusammengeführt und visualisieren somit die Fülle der spätgotischen Kunst im Projektgebiet. Weiterführend sind vorhandenes Bildmaterial, Untersuchungs- und Restaurierungsberichte oder Akteneinträge zu den ausgewählten Objekten zu sichten und auszuwerten. Im letzten Schritt werden ausgewählte Retabel im Untersuchungsgebiet kunsthistorisch und kunsttechnologisch vor Ort untersucht, dokumentiert und die Ergebnisse abgeglichen.

Die Resultate werden für Fachkollegen der Denkmalpflege und des Museumswesens beider Nationalitäten aufbereitet, aber auch in geeigneter Form der Öffentlichkeit vorgestellt. Regelmäßige gemeinsame Arbeitstreffen, Studienreisen der Projektpartner sowie ein Abschlussworkshop dienen dem gegenseitigen Wissenstransfer und bieten umfangreiche Weiterbildungsmöglichkeiten für die Projektbeteiligten sowie den wissenschaftlichen Nachwuchs.