Projekt aus den Kunstsammlungen Chemnitz

 

Jacques LipchitzBenediction“. 

Ein Plastilinentwurf für eine Bronzeplastik hat Jahrzehnte überdauert. Nun wollen ihn die Kunstsammlungen Chemnitz präsentieren. 

 

Ausführung: Suzanna Etyemez (Diplom) 

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Schulze (Referent), Prof. Ivo Mohrmann (Korreferent) 

Praxisbetreuung: Dipl.-Rest. Stephanie Exner 

Auftraggeber: Kunstsammlungen Chemnitz, Generaldirektorin Ingrid Mössinger 

 

Der aus Litauen stammende Künstler Jacques Lipchitz zählt heute zu den wichtigsten Bildhauern des Kubismus. 1909 emigrierte er nach Paris und gehörte dort zu den Künstlerkreisen um Pablo Picasso. 

Mit der Arbeit an „Benediction begann der Künstler in New York, nachdem er Paris auf Grund seiner jüdischen Abstammung verlassen musste. Mit ihrer Harfe sollte die massive Figur ein Lied für die von der deutschen Wehrmacht besetzte Heimat spielen. 

1946 kaufte das Museum of Modern Art (MoMA) in New York den Bronzeabguss  „Benediction“ an, Plastilinmodell und Gipsabguss verblieben beim Künstler. 

Nach dem Tod Lipchitz` 1973  blieb sein Atelier über viele Jahre hinweg unberührt, nun haben Sammlungen weltweit, darunter die Kunstsammlungen Chemnitz, Tonmodelle, Gipse und Bronzen des Künstlers übernommen. 

Der Entwurf für die Großplastik Benedictionfordert hier besondere Aufmerksamkeit: Ein Modell aus Plastilin, immer noch weich aber fast eine Tonne schwer, ist eine Seltenheit und eine konservatorische Herausforderung zugleich. Wie transportiert man solch einen Koloss, wie präsentiert man ein Modell, einen Arbeitsentwurf neben vollendeten Skulpturen? Und wie bekommt man solch ein Objekt überhaupt durch die Tür? 

In der Restaurierung ist Plastilin bisher wenig erforscht, nur selten zeigen Museen Objekte aus diesem Material. Nach dem Transport des Plastilinentwurfes an die Hochschule für Bildende Künste Dresden im Dezember 2013 widmete sich Suzanna Etyemez im Rahmen ihrer Diplomarbeit am Studiengang Restaurierung der Erforschung des Modells. Die Hochschule bot den Raum und die Möglichkeiten für die wissenschaftliche Untersuchung und die Entwicklung eines Konzepts zur Konservierung und Restaurierung des empfindlichen und bereits geschädigten Objekts. 

Innerhalb der Diplomarbeit wurden zunächst Aufbau und Herstellungstechnik des Modells untersucht. Röntgenaufnahmen und Materialanalysen halfen dabei, sich ein Bild von der „inneren Struktur“ des Werkes zu machen. Das Plastilin wurde für „Benediction“ auf ein mit zwei Arten von Draht umwickeltes Holzgerüst aufgetragen. Das Gerüst aus Holzlatten ist seit Anfang an fest mit dem Modellierbock verbunden, der damit eindeutig zum Werk zugehörig ist und bei der Konzeption mit einzubeziehen war 

Ziel der Diplomarbeit war es, Lösungen zu finden, die den weiteren Verfall des Kunstwerkes stoppen. Dazu gehörte in erster Linie die Sicherung aller gelockerten und abgefallenen Bruchstücke. Sie sollen - soweit möglich - wieder an ihrer ursprünglichen  Position fixiert werden. Die Replatzierung der Bruchstücke darf keine neuen Schäden verursachen, ebenso müssen statische Aspekte der fragilen Unterkonstruktion bedacht werden. Welche Materialien und Methoden tatsächlich langfristig geeignet sind, ist Inhalt von Testreihen und Versuchsaufbauten, die auch nach Ende der Diplomzeit noch nicht abgeschlossen sind. 

 

Text: Suzanna Etyemez/ Stephanie Exner, 07/2015

Abb.1 Der Entwurf für die Bronzeplastik „Benediction“ (K. Riße HfBK Dresden, 2014)
Abb.2 Der Künstler nahm von seinen Plastilin- und Tonentwürfen einen Gipsabguss, um daran die Oberfläche weiter zu bearbeiten. Hier ist er in einer New Yorker Gießerei zu sehen, wie er an dem Gipsabguss zu „Benediction“ arbeitet. Ein Gipsabguss dient in der Regel als Vorlage für ein Wachsmodell, von dem schließlich eine Bronzeskulptur nach dem Prinzip des „Verlorenen Wachses“ hergestellt werden kann. (Colten, New York. In: Raynal, Maurice: Jacques Lipchitz. Édition Jeanne Bucher, Paris 1947)
Abb.3 Bronzeabguss „Benediction“ im MoMA. (Colten, New York. In: Raynal, Maurice: Jacques Lipchitz. Édition Jeanne Bucher, Paris 1947)
Abb.4 Die vorerst letzte Etappe einer langen Reise. Das Modell erreicht die HfBK Dresden. Der Transport eines solchen Objektes verlangt höchste Konzentration und Maßarbeit. (S. Etyemez, 2013)
Abb.5 Risse, Korrosion, Fehlstellen im Plastilin. Die Bandbreite der Schäden ist hoch. Mittels genauer Dokumentation soll der „Krankheitsverlauf“ in Zukunft genau festgehalten werden. (S. Etyemez, 2014)