Forschungs-und Konservierungsprojekte

Projektwerkstatt Lindenau-Museum Altenburg:

Restaurierung von sieben Holztafelbildern mit Groteskenmalereien aus einer oberitalienischen Raumdekoration


Die von Museumsgründer Bernhard August von Lindenau 1843/44 erworbenen Tafeln waren ehemals Teil einer Decken- und Wandvertäfelung eines oberitalienischen Palazzo wohl aus dem frühen 16. Jahrhundert. Bislang wurden sie entweder dem Pinturicchio-Schüler Matteo Balducci zugeschrieben oder Michelangelo di Pietro da Lucca. Ein Archivfund der Kunsthistorikerin Dr. Wiebke Fastenrath Vinattieri, die am Bestands­katalog des Lindenau-Museums arbeitet, weist jedoch in eine andere Richtung. Nicht nur aufgrund des großen kunstwissenschaftlichen Interesses an den Grotesken­tafeln stellte die Konservierung und Restaurierung ein besonderes Desiderat dar.

Eine der insgesamt acht Bildtafeln wurde bereits 2007 im Rahmen einer Diplomarbeit an der HfBK Dresden exemplarisch untersucht, konserviert und restauriert. Dank der Förderung durch die Bundeskulturstiftung und der Kultur­stiftung der Länder (KUR-Projekt) konnten im Rahmen einer Kooperation des Lindenau-Museums mit der HfBK Dresden alle Tafeln untersucht, konserviert und restauriert werden.

In zwei sechs- bis achtwöchigen Kampagnen arbeiteten jeweils sechs Studierende aus Dresden und Stuttgart in der Projektwerkstatt im Lindenau-Museum unter Anleitung des Tutors Dipl.-Rest. Johannes Schäfer. Prof. Dipl.-Rest. Dr. Ursula Haller, Dresden und Prof. Dipl.-Rest. Volker Schaible, Stuttgart betreuten das Projekt.

In der ersten Projektkampagne im Sommer 2008 standen konservatorische Maßnahmen wie die Abnahme von sperrenden Querleisten, das Verleimen von geöffneten Fugen und Rissen sowie das Festigen von Malschichtabhebungen im Mittelpunkt der Arbeiten. Darüber hinaus wurde die Abnahme von mehreren nachgedunkelten Firnisschichten begonnen. Im Rahmen der zweiten Projektkampagne 2009 und in den Fachklassenateliers wurde die Restaurierung mit der Kittung und Retusche von Fehlstellen in der Malerei abgeschlossen.

Bei einer vielbeachteten Ausstellung wurden 2010 die restaurierten Tafeln der Öffentlichkeit präsentiert. Begleitend erläuterte eine Posterausstellung die Untersuchungen und restauratorischen Maßnahmen. Im Rahmen eines Symposiums wurde einem Fachpublikum die während der Restaurierung erzielten kunsttechnologischen Erkenntnisse vorgestellt und das sehr zurückhaltende Konservierungs- und Restaurierungskonzept zur Diskussion gestellt.