Prof. Doris Titze

  

seit 2002

Professur an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und Leitung des Aufbaustudiengangs KunstTherapie

Kontakt

Prof. Doris Titze
Güntzstraße 34
Raum 128

Tel. 0351 - 4402–2272
titze[at]hfbk-dresden.de


LEHRE

Bilder im realen wie übertragenen Sinne sind in der kunsttherapeutischen Arbeit ein sensibles Mittel, sich selbst auf die Spur zu kommen, was auch immer wir gestalten. Wie innerhalb der Bilder ist auch im therapeutischen Prozess eine Veränderung oft nur graduell sichtbar und erfordert beteiligtes, genaues Hinsehen. Je nachdem wie der Stift das Blatt berührt – kraftvoll, behutsam, zögernd oder vehement –, entsprechend spüren wir auch die Person hinter dem Bild. Therapie benötigt vor allem Behutsamkeit und Achtsamkeit, um vor den großen Zielen auch die kleinen Schritte wahrzunehmen. Im Studium übertragen wir Farbe, Linie, Form und Raum in der Zeit auf die seelische Ebene. Das Bild bleibt ein beständiges Gegenüber und ändert sich nur innerhalb unserer Wahrnehmung. Diese gilt es zu präzisieren:

Wir selbst sind der Ort unserer Bilder.

Doris Titze

  

 

WERK

Seit 1978 stehen in meinen Arbeiten Zeichnungen, Metallobjekte und Malerei im Wechsel. Das Spannungsfeld zwischen konkreter Form und individueller Figuration öffnet Raum. Zeichnungen sind die Grundlage meiner Arbeit. Zeichnen als uraltes Spiel von Linie und Grund, von Bewegung und Gegenbewegung, lässt körperhafte Gebilde entstehen und sich wieder entziehen. So schreibt Lothar Romain: »Zeichnen bedeutet für Doris Titze immer einen dialektischen Prozess: Entdecken und Zeichen setzen und die gewonnenen Erfahrungen als Formulierungen wieder zur Disposition stellen.« Linien bündeln sich und schaffen Räume. Räume bilden sich so auch in der Phantasie der Betrachtung. Man kann mit den Augen in den Linien wandern und das Wachsen der Zeichnung nachvollziehen. Jede Linie bestimmt spürbar das Bild mit, wie es Nicoletta Torcelli formuliert: »Auch ein einzelnes Haar hat seinen Schatten.« Jede Linie auf einem Blatt öffnet einen virtuellen Raum in der Fläche.

In den Zeichnungen liegt die Bewegung innerhalb des Blattes. In den Metallarbeiten sind die Formen selbst präzise und klar umrissen. Die Liniengeflechte verdichten sich hier zur Fläche, und die Beweglichkeit der Formen ist real. Es sind Halbkreise, zu Dreiecken geklappt, und Spiralen, die sich symmetrisch öffnen und schließen. Grundformen wie Kreis, Dreieck, Spirale werden sowohl in den Metallarbeiten als auch in den Zeichnungen und Bildern während des Arbeitsprozesses individualisiert. Während die Zeichnung wächst, erfährt das Objekt eine klare Begrenzung.

So, wie eine räumliche Bewegung flächig wird und eine Linie Raum erzeugt, stehen sich Grundformen und Portraits gegenüber. In den Portrait-Erkundungen der immergleichen Fotografie konkretisiert sich Farbe figurativ und hinterfragt die eigenen Bilderwartungen. Im Querformat löst sich die Farbe im Raum; konkrete Linien setzen Bezüge. Hanne Weskott schreibt hierzu: »Doris Titze sucht so etwas wie eine Ordnung, die dem Chaos noch genug Raum bietet, dass ein Spannungsfeld entsteht. (…) Das Spannungsmoment liegt in dem äußerst prekären Gleichgewicht zwischen Linie, Fläche und Farbe.« Figur und Raum bedingen sich.

Letztlich erkunden die Zeichnungen reale Bewegung, die sich den Linien einschreibt und im zweidimensionalen Blatt wiederum virtuelle Räume öffnet.

Doris Titze