Professorin Dr. Stefanie Wenner

seit 2015
Professur an der HfBK Dresden – Angewandte Theaterwissenschaft und Produktionsdramaturgie

Kontakt

Prof. Dr. Stefanie Wenner
Güntzstraße 34
Raum 205
Tel. 4402-2139
wenner©hfbk-dresden.de

AKTUELL
matter: stages of agency
apparatus

Lehrveranstaltungen Angewandte Theaterwissenschaft und Produktionsdramaturgie Sommersemester 2018

 

Vorlesung Montag 13.30 – 15.00
beginnend am 9.4.2018 im Hörsaal 222 Güntzstrasse 34

MASCHINE

„All watched over by Machines of Loving Grace“ ist der Titel einer Serie des kongenialen Dokumentarfilmers Adam Curtis über den Siegeszug der Kybernetik im 20. Jahrhundert. Maschinenmetaphern sind heute allgegenwärtig in unserem Sprechen und Denken, in unserem Selbstverständnis ebenso wie in der Vorstellung von Verbindungen zu anderen. Über der Nutzung maschineller Implantate im menschlichen Körper und unserer symbiotischen Beziehung mit Gadgets hat das Zeitalter des Posthumanismus bereits Gestalt angenommen. Nicht erst im letzten Jahrhundert beginnt die große Liebesgeschichte zwischen Mensch und Maschine. Einfache Maschinen zur Herstellung von Dingen und Entlastung von körperlicher Arbeit wurden bereits seit Jahrtausenden erfunden. Schon zu Beginn der Geschichte europäischen Theaters wurden Maschinen eingesetzt. Im Verlaufe seiner Entwicklung etablierte es eine regelrechte Theatermaschine, die bis heute immer wieder erneuert und transformiert wird. Längst haben Kino und andere Bildmedien die Möglichkeiten der Illusionsbildung im Theater überholt und öffnen dort neue Spielräume jenseits eines klassischen Bildbegriffes. Digitalisierung und Immersion werden uns ebenso beschäftigen, wie das Verhältnis von Theater und Internet. Es wird um konkrete Theatermaschinen gehen und einen Schwerpunkt im Barock geben, mit dem Theatrum Machinarum. Außerdem befassen wir uns mit dem „Umgang mit Maschinen“ (Hans-Dieter Bahr), ebenso wie mit der „Existenzweise technischer Objekte“ (Gilbert Simondon), folgen Donna Haraway in ihrer Losung „Staying with the Trouble“, befassen uns einmal mehr mit der Theorie der Apparate Karen Barads, betrachten Kunst und Theater „unter der technologischen Bedingung“ (Erich Hörl) und „Denken bis an die Grenzen der Maschine“ (Bernard Stiegler). Die Vorlesung wird bereichert durch Gäste, die sich mit der Existenzweise von Algorithmen und dem Prinzip der Störung unter dem Aspekt der Maschine befassen.

Module T1, T2, 2, 5

Voraussetzung für den Erwerb von Credit Points ist eine Studienleistung, entweder ein Protokoll oder eine Hausarbeit. Bitte kommen Sie zur Besprechung dafür in meine Sprechstunde.


Literaturauswahl:
Hans-Dieter Bahr: Über den Umgang mit Maschinen. konkursbuch 1983
Erich Hörl (Hg.): Die technologische Bedingung. Frankfurt a.M. 2011.
Nikola Roßbach: Poiesis der Maschine. Barocke Konfigurationen von Technik, Literatur und Theater. Berlin 2012.
Helmar Schramm / Ludger Schwarte / Jan Lazardzig (Hg.): Spuren der Avantgarde. Theatrum Machinarum. Frühe Neuzeit und Moderne im Kulturvergleich. Berlin 2008.
Gilbert Simondon: Die Existenzweise technischer Objekte. Berlin 2012.
Bernard Stiegler: Denken bis an die Grenze der Maschine. Berlin 2009.

Serie:
„All watched over by Machines of Loving Grace“ https://vimeo.com/groups/96331/videos/80799353



Projekt:

STÖRUNG

Eine Regel für Mediationen lautet: Störungen haben Vorrang. Aufmerksamkeit soll ihnen gewidmet und so ein problemloser Ablauf gesichert werden. Störungen weisen auf etwas hin, was für die Ordnung entscheidend ist. Wenn wir das Wort Störung hören, denken wir vielleicht an den Störfall im Reaktor, über den Christa Wolf schrieb, wir denken an eine Störung in der Technik, an eine Störung im Empfang, eine gestörte Internetverbindung oder eine Persönlichkeitsstörung. Der Begriff Störung unterstellt eine funktionierende Ordnung, die unterbrochen werden kann. Er operiert entlang eines Dualismus, den beispielsweise Donna Haraway mit ihrer Losung „Staying with the trouble“ grundsätzlich infrage stellt. Haraway geht es ähnlich wie Kommunikationstheoretiker_innen darum, den Schwierigkeiten und Problemen nicht aus dem Weg zu gehen, sondern die Störung ernst zu nehmen und zum Zentrum der Frage zu machen, ob sie nicht ein Zeichen für eine falsche Ordnung ist, die es neu zu bedenken gilt. Störung ist nicht nur theoretisch ein Stein des Anstoßes, sie ist zentrales Element politisch aktivistischer Interventionen. Auch Künstler_innen verschiedener Felder haben sich Störung zu eigen oder zum Thema gemacht. Mancher Betrieb zeigt zahlreiche Störungen, ohne je auf sie einzugehen und verpasst damit wertvolle Chancen der Regeneration. Für das Sommersemester 2018 stellt der Studiengang Bühnen- und Kostümbild in einer gemeinsamen Aktion von Student_innen, künstlerischen Mitarbeiter_innen, Professorinnen, und mit der Professorin für Angewandte Theaterwissenschaft das curriculum auf den Kopf, oder vielleicht auf vom Kopf auf die Füße, das werden wir sehen. Wir räumen die Ateliers leer, lösen die Klassenstruktur auf und richten uns in der Störung ein. Lehraufträge werden kollektiv nach studentischen Wünschen vergeben. Jede_r kann von jede_m/r lernen, wir suchen Alliierte und Inspiration aus allen Richtungen. Was können wir wie hier lernen, wie wird dieser Ort zum heißen Ort des Geschehens? Wir nutzen Brachen und Nischen, lernen aus den Chiffren der Störungen. Jeden Donnerstag laden wir ALLE ab 18 Uhr in den 3. Stock in die Ateliers von Bühnen- und Kostümbild in der Güntzstrasse 34 zu öffentlichen Gesprächen, Performances oder Präsentationen, es gibt Essen, Filme und Musik. Gäste immer willkommen!


Seminar zum Projekt immer Montag, 15.30 – 17.00 in den Ateliers von Bühnen- und Kostümbild im 3. OG

Projektbegleitende Dramaturgie immer Donnerstags in den Ateliers von Bühnen- und Kostümbild im 3. OG.

Module T2, 2, 5, 8, 11


Etymologie:
stören Vb. ‘den ruhigen Fortgang hindern, belästigen, nicht in einen Zusammenhang hineinpassen’. Ahd. stōren ‘zerstören’ (9. Jh., irstōren, um 800), mhd. stœren ‘auseinanderstreuen, zerstreuen, verwirren, vernichten, zerstören’, asächs. testōrian ‘zerstören’, mnd. stȫren ‘(ver)hindern, unterbrechen’, mnl. stören ‘hindern, verwüsten’ (germ. *staurjan) und andererseits ablautendes nhd. stüren ‘stochern, herumwühlen’ (bis 18. Jh.), ahd. stur(i)en ‘vernichten’ (um 800), mhd. stürn ‘stochern, stacheln, antreiben’, asächs. farsturian ‘zerstören, verwirren’, mnl. steuren, nl. storen ‘berühren, hindern, verwüsten’, aengl. styrian ‘bewegen, verwirren, aufrühren’, engl. to stir ‘bewegen, anregen, aufrühren, rütteln’ (germ. *sturjan) sowie anord. styrr ‘Tumult, Kampf’, sturla ‘in Unordnung bringen, stören’ (germ. *stur-) lassen sich wie ↗Sturm (s. d.) mit s-Anlaut zu der unter ↗Quirl (s. d.) angeführten Wurzel ie. *tu̯er-, *tur-, *tu̯ṛ-, *tru- ‘drehen, quirlen, wirbeln’ stellen. Die beiden ursprünglich getrennten Verben (‘zerstreuen’ und ‘stochern’) sind in nhd. stören zusammengefallen. entstören Vb. elektrotechnisch ‘störungsfrei machen’ (20. Jh.). verstört Part.adj. ‘verwirrt, aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht, erschreckt, beunruhigt’ (17. Jh.). zerstören Vb. ‘vernichten’, ahd. zistōren, zirstōren (9. Jh.), mhd. zerstœren ‘völlig auseinanderbringen und zerstreuen, in Verwirrung bringen, zunichte machen’. Zerstörer m. ‘wer etw. vernichtet’, ahd. zistōrāri (11. Jh.), mhd. zerstœrer; ‘schnelles Kriegsschiff’ (Anfang 20. Jh.), nach voraufgehendem engl. destroyer (1882). Störenfried m. ‘Unruhestifter’, anfangs auch im Sinne von ‘Teufel’, zuerst imperativischer Satzname Störefried (16. Jh.)



Sprechstunde Montag 17.00 Uhr in Raum 205


Ateliergespräche nach Vereinbarung, Termine bitte unter
wenner©hfbk-dresden.de