Von Welterben, Geburtstagskindern und frittiertem Eis

Exkursion nach Tschechien

Dienstag, der 24. Juni 2013, 16:55. Auf Gleis 3 des Dresdner Hauptbahnhofs wartet der Zug von Berlin nach Budapest, ein dunkelblauer EC der alten Sorte, mit kleinen Abteilen, weichen Sitzen und muffigem Geruch. Unmöglich dort all sein Gepäck unterzubringen. Kurze Zeit später schlängelt sich der Zug durch das Elbsandsteingebirge auf dem Weg in Richtung tschechische Grenze.

Die diesjährige Exkursion stand ganz im Zeichen des interkulturellen Austauschs. Anlass unserer Reise war das 20jährige Bestehen der Fakultät für Konservierung und Restaurierung der tschechischen Stadt Litomyšl, die zu einer Tagung zum Thema Interdisziplinarität eingeladen hatte.

Unsere erste Etappe: Prag. Für viele war es nicht der erste Besuch, doch lässt sich die tschechische Hauptstadt auch aus ganz anderer Sicht bestaunen: Die Fachklasse begab sich auf die Suche nach der Architektur des frühen 20. Jh. und wie staunten nicht schlecht, welche Gebäuden man beim letzten Besuch hatte links liegen lassen.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Litomyšl. Die kleine und noch junge Fakultät bot den zahlreichen, auch internationalen Gästen jede Menge tschechische Köstlichkeiten, sowohl kulturell als auch kulinarisch. Besonders imponierend: die Sgraffitofassaden des Schlosses in Litomyšl, ein UNESCO-Weltkulturerbe aus dem 16. Jh. Abgerundet wurde der Besuch in netter Gesellschaft der Studenten aus Litomyšl mit Bier, Knoblauchsuppe und frittiertem Eis, welches so manchem in ewiger Erinnerung bleiben wird.

Unser letztes Ziel war Brno. Auch hier stand alles im Zeichen der Architektur des frühen 20. Jh., gekrönt durch einen Besuch in der Villa Tugendhat, einem weiteren Welterbe auf unserem Weg. Doch anders als in Litomyšl wurden uns trotz beeindruckender Rekonstruktionen hier die Schwierigkeiten im Umgang mit der Erhaltung und Präsentation moderner Architektur deutlich, ein Thema welches unter den Studenten intensiv diskutiert wurde; mit dem nüchternen Fazit: Welterbe ist eben nicht gleich Welterbe. Noch nicht!

Maria Matissek, Prof. Dr. Danzl

  • Auf der Suche nach dem Prager Kubismus: das Treppenhaus des Grand Café Orient
  • Das Schloss in Litomyšl mit seiner Sgraffito-Fassade
  • Studentinnen der Fachklasse vor Farbanstrichproben einer Fassade in Brno