Heimspiel mit Blick auf die Elbe

Als Blickfang hoch über der Elbe ist die Briesnitzer Kirche schon von weitem sichtbar. Der hochaufragende Turm mit seinem spitzen Dach und seinem charakteristischen Bruchsteinmauerwerk ist wohl jedem Elbradler in Dresden bekannt. Doch nur selten verirrt sich auch jemand hinein und das obwohl Briesnitz mit Bus oder Rad problemlos erreichbar ist. Für uns Studenten umso spannender, denn als angehender Restaurator ist man immer auf der Suche nach versteckten oder vergessenen Orten, die unsere Aufmerksamkeit verdienen und an denen man ungestört forschen kann. Und nicht selten verirrt man sich selbst immer wieder dorthin zurück.

Seit dem Wintersemester 2012/2013 wird die Briesnitzer Kirche nun sprichwörtlich unter die Lupe genommen, mit besonderer Rücksicht auf die südliche Vorhalle, der sog. Gorbitzer Halle. Diese wurde vermutlich im Zuge einer Erweiterung des Langhauses um 1500 errichtet. Von der abwechslungsreichen Nutzung zeugen die unterschiedlichen Putz- und Fassungsschichten, die heute offen nebeneinanderliegen. Viele Reparaturphasen verdichten den Bestand in der Vorhalle zusätzlich.

Die Aufgabe der Studenten war es bisher, diese Phasen und ihre Gestaltungen bis hin zur Freilegung der Malereien in den 1930er Jahren zu differenzieren und in eine relative Chronologie zu überführen. Der Anspruch hierbei, die Untersuchung auf Beobachtungen zu beschränken, förderte das Sehen und räumliche Denken in besonderem Maße. Darauf aufbauend wurden erst zum Schluss Proben ausgesuchter Putz- und Malschichten entnommen, um gezielten Fragestellungen nachzugehen.

Die Nähe zur Hochschule und die Möglichkeit, im Mörtellabor der Fachklasse die Untersuchungen der Querschliffe selbst vorzunehmen, lieferten zusätzlichen Lerneffekt. Ein Heimspiel also, welches neben restauratorischer Erfahrung auch die Bekanntschaft netter Dörfler und kleine Radtouren an der idyllischen Elbe mit sich brachte.

 

Maria Matissek, Prof. Dr. Danzl

 

  • J. Franke: Die Briesnitzer Kirche, Lithographie um 1830 (Museum für Geschichte)
  • Die südliche Vorhalle
  • Rankenmalerei im Gewölbe
  • Befunderhebung