LUDWIGSBURG

Unser Sommer im Schloss am Meer…

So oder ähnlich lassen sich die Bedingungen der diesjährigen akademischen Sommerschule der Fachklasse Wandmalerei „Mensch und Architekturfarbigkeit kurz zusammenfassen. Vier glückliche Studenten hatte es im August 2015 nach Ludwigburg nahe Loissin verschlagen. Der kleine Ort am Greifswalder Bodden, Ausgangspunkt vieler romantischer Motivfindungen, lockt immer wieder Ostseeurlauber und Fahrradtouristen an. Zu sehen gibt es eine Schlossanlage: An den Schlossbau selbst, der bereits im 16. Jahrhundert Erwähnung findet, schließt sich ein Ensemble aus Neben- und Wirtschaftsgebäuden sowie die riesige Parkanlage an. Gegenwärtig befindet sich das Schloss im Leer­stand und wird durch einen Förderverein verwal­tet. Die verschiedenen Eigentümer und die wechselhafte Nutzungsgeschichte haben am Bau ihre Spuren hinterlassen. Durch eine Seminararbeit der HfBK Dresden konnte bereits 2014 für einige Räume ein umfangreicher historischer Bestand an Wandmalereigestaltungen erfasst und ausgewertet werden. Die Malereien schmücken den Südwestflügel des zweiten Obergeschosses. Im jetzigen Zustand lässt sich der, ehemals als repräsentativer Saal genutzte, Raum schwierig fassen. Eingezogene Fachwerkwände erschweren den Blick. Doch unter mehreren Fassungen legt sich eine polychrome Wandmalerei an der inneren Gebäudeschale frei. Bis dato lässt sich sagen, dass aufrechtstehende männliche Figuren dargestellt sind, die von einer Architekturmalerei gerahmt werden. Die bereits in der Vergangenheit, wenn auch nicht immer fachkundig, freigelegten Bereiche zeigen heute einen ganz unterschiedlichen Erhaltungszustand. Durch klimatische Faktoren und eine rigorose Schwammbehandlung in den 90er Jahren ist die Malerei stark in Mitleidenschaft gezogen. Doch in einigen Bereichen zeichnet sich noch die detaillierte Binnenzeichnung ab, an der man die ursprüngliche Qualität der Malereierahnen kann. Die Sommerschule machte es sich zur Mission, den Bestand durch einen 4-wöchigen Arbeitseinsatz notzusichern. Neben den ehemaligen Scheunen wurden die Schlafsäcke ausgerollt im Obergeschoss des Schlosses die Baustelle eingerichtet. Mit einer Kalkmörtelmischung aus Kalk und Sand rückte man den Abbruchkanten des Putzträgers zu Leibe. Im Akkord wurde zum Backsteinträger hin „angeböscht“, um weitere Putz- bzw. Fassungsverluste zu verhindern. Die zum Teil hohlliegenden Putzschichten wurden von den Studierenden mit einem Hinterfüllmaterial vorsichtig hinterspritzt, um so eine Stabilität des Wandgefüges und eine Verbindung des Fassungsträgers zum Mauerwerk wiederherzustellen. Die bereits freiliegenden, kohäsiv entfestigten Malereipartien wurden konserviert. Neben dem Spaß bei der Arbeit und abgeschieden von jeglicher Zivilisation, vertrieb man sich die Abende mit Planschen im Bodden, Schummeln beim Kartenspielen oder Frisbee auf dem weitläufigen Hof, natürlich immer mit Augenmerk auf die historischen Fenster. Der Fachklassengrill und ein zum Koch ambitionierter Student sorgten für das leibliche Wohl aller Übrigen. Sodass abseits der Arbeiten im Schloss auch immer ein Gefühl von Urlaub aufkam. Nach intensiven Tagen voller Eindrücke von Geschichte, Ostseeluft und Abenteuer kuschelte man sich abends müde aber selig in den Schafsack. Mit Ende der vier Wochen in Ludwigsburg ging es mit gemischten Gefühlen Richtung Heimat. Wie es mit dem reichen Bestand historisch wertvoller Zeugnisse im Schloss weitergeht, bleibt spannend. Eine weitere Sommerschule an diesem kostbaren Objekt ist wünschenswert und weitere Maßnahmen dringend notwendig. Fortsetzung folgt…
Leonard John, Maria Ahlborn, Prof. Dr. Thomas Danzl