GEMEINSAME VORTRAGSREIHE - BAU|KUNST UND SPANNWEITEN

HOCHSCHULE FÜR BILDENDE KÜNSTE DRESDEN
SÄCHSISCHE AKADEMIE DER KÜNSTE
TECHNISCHE UNIVERSITÄT DRESDEN
Mit Unterstützung der Deutschen Werkstätten Hellerau.

UmBau

Vor dem Hintergrund polarisierender Debatten zwischen Modernisierern und Bewahrern hatte Hermann Czech Anfang der 1970er Jahre die These aufgestellt: „Ein Umbau ist interessanter als ein Neubau - weil im Grunde alles Umbau ist“. Bei keiner Planung könne man der Berücksichtigung des Vorhandenen – für Czech das wichtigste architekturtheoretische Thema – ausweichen. Im Zentrum der Vortragsreihe steht die Frage nach der heutigen Relevanz des Czechschen Diktums, aber auch danach, welcher Paradigmenwechsel damit im Verständnis der Autorenschaft einhergeht, wenn zur vorhandenen Substanz nicht nur bauliche, sondern auch gesellschaftliche Strukturen gerechnet werden. Denn bei jedem Umbau sind immer schon andere da, die betroffen sind, Vorwissen haben, mitreden wollen und können.
Die Frage nach dem Erhaltungswert der uns überlieferten Welt ist somit keine rein architektonische. Wenn Nachhaltigkeit nicht auf technische und energetische Effizienz reduziert wird, sondern im ursprünglichen Sinn eine Art des umsichtigen Wirtschaftens beschreibt, gewinnt die Frage nach dem Wert des Vorhandenen umfassende Bedeutung: Wie stark und wie schnell darf die Umwelt sich verändern, damit sie ihre Identifikationsfähigkeit behält und nicht die permanente, totale Überformung zur einzigen Konstante wird?

MITTWOCH, 7.11.2018, 19 Uhr

Technische Universität Dresden, Zellescher Weg 19, ASB Hörsaal 120

ÁKOS MORAVÁNSZKY

Einführung und Moderation:

Prof. Thomas Will, TU Dresden

1950 in Székesfehérvár/Ungarn geboren, studierte Architektur in Budapest und war dort als Architekt tätig. Nach der Promotion an der TU Wien wurde er Chefredakteur der Architekturzeitschrift des Ungarischen Architektenverbandes. Er forschte am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München und am Getty Center for the History of Art and the Humanities in Santa Monica und war Visiting Professor am MIT in Cambridge/Massachusetts. Seit 1996 ist Moravánszky Professor für Architekturtheorie an der ETH Zürich. Als Emeritus ist er derzeit Gastprofessor an der Universität von Navarra.

MITTWOCH, 28.11.2018, 19 Uhr

Technische Universität Dresden, Zellescher Weg 19, ASB Hörsaal 120

JÖRG SPRINGER

Einführung und Moderation:

Prof. Ivan Reimann, TU Dresden

1964 in Stuttgart geboren, studierte Architektur in Berlin und Barcelona und gründete 1995 sein eigenes Büro in Berlin. Architektur ist für ihn die Arbeit in einem geschichtlichen Kontinuum. Nicht nur in historischen Kontexten suchen seine Arbeiten nach der Einheit aus Bestand und Hinzufügung. Springer ist zur Zeit unter anderem Mitglied des Gestaltungs- und Welterbebeirats der Hansestadt Lübeck. Er lehrte an der TU Darmstadt und ist seit 2014 ordentlicher Professor für Entwerfen und komplexe Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität in Weimar.

MITTWOCH, 5.12.2018, 19 UHR

Hochschule für Bildende Künste Dresden, Güntzstraße 34, Großer Hörsaal, 2. OG

FRANZ ERHARD WALTHER

Einführung und Moderation:

Prof. Olaf Lauströer, HfBK Dresden

1939 in Fulda geboren, studierte bis 1964 an der Kunstakademie Düsseldorf, u. a. zusammen mit Gerhard Richter und Sigmar Polke. Von 1967–71 arbeitete er in New York und präsentierte dort 1969 im Museum of Modern Art mit seinem „1. Werksatz“ seine Idee von der ‚Handlung als Werkform‘. 1971 wurde er an die Hochschule für bildende Künste Hamburg berufen, wo er als Professor bis 2005 tätig war. Walther gilt als eine der Schlüsselfiguren der Gegenwartskunst, die mit ihren Arbeiten den Kunstbegriff seit den 1960er Jahren um den Aspekt der expliziten Beteiligung des Rezipienten maßgeblich erweitert haben. Auf der Biennale di Venezia 2017 wurde er mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

MITTWOCH, 12.12.2018, 19 UHR

Technische Universität Dresden, Zellescher Weg 19, ASB Hörsaal 120

MATTHIAS MULITZER

Einführung und Moderation:

Prof. Thomas Will, TU Dresden

1960 in Goldegg/Österreich geboren, studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er arbeitete danach bei Ernst A. Plischke und Carl Pruscha. Seit 1992 plant er in seinem „Ein-Mann-Atelier“ in Wien zahlreiche, mehrfach ausgezeichnete Bauten, Umbauten und Raumgestaltungen. Sein Entwurf für das Kloster „Maria im Paradies“ in St. Veit/Pongau wurde der Beginn einer Lebensaufgabe. Die Arbeit am Frauenkloster konnte 2017 vollendet werden. Seine Studien zum Sakral- und Klosterbau führten zu weiteren Aufträgen, wie der Planung eines Eremitenklosters, das seit 2000 an den Ausläufern der Anden in Venezuela entsteht.

MITTWOCH, 23.01.2019, 19 UHR

Hochschule für Bildende Künste Dresden, Güntzstraße 34, Großer Hörsaal, 2. OG

JOHANNES ROBBRECHT

Einführung und Moderation:

Prof. Olaf Lauströer, HfBK Dresden

Der flämische Architekt Johannes Robbrecht (*1977) ist einer der Partner des Büros Robbrecht en Daem architecten, das 1975 von Hilde Daem und Paul Robbrecht in Gent gegründet wurde. Mit seinen Arbeiten gilt das Büro als Wegbreiter der gegenwärtigen flämischen Baukultur, die seit einiger Zeit auch internationale Aufmerksamkeit erfährt. Mit großer Sensibilität und Aufmerksamkeit spüren Robbrecht en Daem seit einigen Jahrzehnten den unterschiedlichen Kontexten ihrer Arbeit nach. Zahlreiche Umbauten öffentlicher Kultureinrichtungen wie die Renovierung der Universitätsbibliothek in Gent (seit 2007), die Erweiterungen des Museums Boijmans van Beuningen in Rotterdam (2003) und der Whitechapel Art Gallery in London (2009) sind ein beredtes Beispiel dafür.