ANGEWANDTE THEATERWISSENSCHAFT UND PRODUKTIONSDRAMATURGIE

 

LEHRVERANSTALTUNGEN WINTERSEMESTER 2018/19


PROF. DR. STEFANIE WENNER
PROF. FRANZ BROCHHAGEN UND PROF. BARBARA BEYER
ISAAC SPENCE
REIKE WITTROCK


Vorlesung Montag 13.30 – 15.00
beginnend am 15.10.2018 im Hörsaal 222 Güntzstrasse 34


REPRODUKTION


Eine der Grundannahmen der Theaterwissenschaft lautet, dass jede Aufführung neu und anders, die Erfahrung eines individuellen Theaterereignisses nicht reproduzierbar sei. Zeit und Raum, Publikum und Performer_innen, all das bleibt im Fluss und verunmöglicht eine identische Reproduktion eines Theaterabends. Während manche Theatermacher_innen genau den Moment des Offenen, der Möglichkeit des Scheiterns und des Ereignisses im engeren Sinne feiern, suchen andere nach Virtuosität und Perfektion, nach Möglichkeiten des Ausschlusses von Fehlern. Die gesamte Theatermaschinerie der Neuzeit mit ihrem Personal ist darauf angelegt, eine Inszenierung möglichst detailgetreu zu reproduzieren, Abend für Abend. Texttreue ist ein Parameter bürgerlichen Theaters bis heute, das auf diese Weise einen Kanon zu reproduzieren sucht, der kulturbildend und identitätsstiftend wirken soll. Aber das bürgerliche Zeitalter ist vorüber und auch die Kategorie der Reproduktion bedarf - nicht nur im Kontext der bildenden Kunst - einer Revision. In der Reproduktion steckt die Produktion und die ist mit dem Konzept von Arbeit verbunden, das sich im postfordistischen Zeitalter der Digitalisierung in einem nicht zu überschätzenden Transformationsprozeß befindet. Nicht nur weil das Theater in Deutschland Arbeitsteilung und Werte verkörpert, die kritisch zu befragen sind, sondern weil sich Deutschland Theater noch immer leistet, sprich es aufs engste mit dem Staat und dessen Reproduktion verbunden ist, lohnt sich eine Auseinandersetzung mit diesem Begriff. Fragen nach Archiv und Gedächtnis in Zeiten der Digitalisierung und der damit einhergehenden Mode des Re-Enactments lassen sich ebenso in diesem Kontext situieren, wie die Reproduktion klischeehafter Genderstereotypen auf der Bühne.
Wir behandeln zeitgenössische Strömungen auf dem Theater und in der Kunst ebenso wie historische Beispiele im Horizont der biologischen und ökonomischen Begrifflichkeit der Reproduktion. Dazu werden wir die kunsttheoretische Debatte um die Reproduzierbarkeit von Kunstwerken nach Benjamin konsultieren, uns mit den Begriffen von Reproduktion der Arbeitskraft und Reproduktionsmedizin aus feministischer Perspektive auseinandersetzen und u.a. Leihmutterschaft als Arbeit diskutieren. Die Vorlesung wird bereichert durch Gäste, wie z.B. die Kunsthistorikerin Kerstin Stakemeier, die im Dezember zu Reproduktion in der Kunst sprechen wird. Studierende beider Fakultäten sind herzlich willkommen.

Module T1, T2, 2, 5

Voraussetzung für den Erwerb von Credit Points ist eine Studienleistung, entweder ein Protokoll oder eine Hausarbeit. Bitte kommen Sie zur Besprechung dafür in meine Sprechstunde. 

Literaturauswahl:

Benjamin, Walter. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.

Federici, Silvia. Aufstand aus der Küche. Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution. Münster 2015.

Kitchen Politics (Hg.). Sie nennen es Leben, wir nennen es Arbeit. Biotechnologie, Reproduktion und Familie im 21. Jahrhundert. Münster 2015.

Stakemeier, Kerstin, Vishmidt, Marina. Reproducing Autonomy. Work, Money, Crisis & Contemporary Art. Mute Publishing 2016.



ÜBUNG ZUR VORLESUNG

Beginn am 22.10.2018

Wir lesen und diskutieren vertiefend Lektüre zur Vorlesung und erstellen ein Glossar. Möglichkeit für Referate und andere Studienleistungen werden gegeben.

Montag 9.30 - 11.00 Uhr, Hörsaal



Gemeinsam mit Eike Wittrock und Studierenden aus Hildesheim:

Tanzkongress 2019 Warm Up 1 // UTOPIE

Fern ab der Städte wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesellschaftliche und künstlerische Utopien entworfen: anarchisch, konkret, futuristisch, träumerisch, unerhört, unmöglich, fantastisch, eskapistisch. Der Monte Verità oder die Gartenstadt Hellerau zählen zu den beiden bedeutendsten Projekten der europäischen Avantgarde, in denen mit alternativen Körper- und Bewegungspraktiken experimentiert wurde. Dieses Kompaktseminar widmet sich solchen künstlerisch-gesellschaftlichen Projekten und kontrastiert/ergänzt sie mit Theorien der Utopie von Thomas Morus bis José E. Muñoz. 
2019 findet der von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Tanzkongress zum ersten Mal unter der Leitung der Choreografin Meg Stuart statt. Stuart ist bekannt für ihre genreerweiternden und thematisch vielfältigen Arbeiten, wie auch für ihre innovativen Improvisations- und Kollaborationsformate. Für den Tanzkongress 2019 entwickelt sie ein experimentelles Versammlungsformat, das zeitgenössische Fragen des Tanzes – inspiriert vom utopischen Setting des Festspielhaus Hellerau – praxisbasiert und gemeinschaftlich angehen wird.
Im WiSe 18/19 und SoSe 19 wird es jeweils eine thematische Blockveranstaltung ("Warm Up" I und II) in Kooperation mit dem Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur der Universität Hildesheim (Dozent: Eike Wittrock) stattfinden, die sich thematisch an Themen des Tanzkongresses orientiert: UTOPIE und HAPPENING. Das Seminar richtet sich an Studierende des Hauptstudiums aus beiden Fakultäten und ist auf 20 Teilnehmer_innen begrenzt. Bitte voranmelden bis zum 31.10.2018 unter wenner©hfbk-dresden.de

Termine:

Vorbereitungstreffen: 5.11.18 16 - 17.30 Uhr in Raum 229

Donnerstag, 13.12.: 14-20h
Freitag, 14.12.: 10-19h
Samstag, 15.12.: 11-17h
in Raum 228

Module 8, 11



Kompaktseminar:


FAST FORWARD: Ein Festival

Vom 15. – 18.11.17 findet das Festival Fast Forward des Staatsschauspiels Dresden an verschiedenen Spielorten in der Stadt, u.a. bei uns im Labortheater statt. Es ist ein Festival für junge Regie, teilweise werden Arbeiten noch Studierender gezeigt. Am Rande des Festivals ist eine Gruppe von internationalen Studierenden zu Gast, mit denen gemeinsam wir Gespräche und Workshops in der Zeit des Festivals erleben werden. Vorbereitend werden wir uns einmal treffen, um über Aufführungsanalyse zu sprechen. Aufführungsanalyse entstand im Zuge der Hinwendung zu Theater als ganzer Erfahrung, die nicht einfach nur einen Text inszeniert, sondern in all ihren Elementen ernst genommen und beschrieben werden muss. 

Module 2, 5, 8, 11

Vorbereitungstreffen 15.10.18              16.00 – 17.30          Raum 229
Festivalbesuch     14. – 18.11.18    noch nicht besprochen     Raum 228



COLLOQUIUM:

FAK ≠ YOU

Fakultätsübergreifende Gruppenkonsultationen in wechselnden Ateliers gemeinsam mit Kerstin Flasche. Immer ein_e Student_in oder eine Gruppe zeigt ihre Arbeit, die von den anderen diskutiert wird. Ziel ist ein beschreibendes und konstruktives Sprechen über die Arbeiten, das für die Künstler_innen produktiv werden kann, ohne nach ihren Intentionen zu fragen. Die Anlage ist interdisziplinär und soll das Gespräch zwischen den Fakultäten befördern, sowie mögliche Zusammenarbeit unterstützen. Außerdem soll das Format für Diplomand_innen die Möglichkeit zum regelmäßigen Austausch in einer Gruppe bieten. Darüber hinaus sind Zu FAK ≠ YOU sind alle Studierenden beider Fakultäten in jedem Stadium des Studiums herzlich willkommen. 

Erstes Treffen am 22.10.18 um 16.00 in Raum 229 um Termine und Vorgehensweisen zu besprechen.

Sprechstunde immer am Montag ab 18.00 Uhr in Raum 205

Ateliergespräche nach Vereinbarung, Terminvereinbarung bitte unter wenner©hfbk-dresden.de



GÄSTE:

BARBARA BEYER UND FRANZ BROCHHAGEN (HfM Dresden)

Kompaktseminar:

Was ist Oper?
Der Dirigent Franz Brochhagen, musikalischer Leiter der Opernklasse der Hochschule für Musik in Dresden und die Regisseurin Barbara Beyer, künstlerische Leiterin der Opernklasse, sprechen über das Genre Oper. An ausgewählten Beispielen von Werken aus der Operngeschichte und einem generellen Diskurs darüber, welche Bedeutung der Oper in unserer Gegenwart zukommt oder zukommen könnte, wollen wir Ihnen dieses Genre näherbringend, um am Ende dieses Workshops in einem gemeinsamen Gespräch über Ihr Interesse an dieser Theaterform zu reden und über Ideen und Visionen, wie man die Oper mit den neuen Einflüssen (der Digitalisierung etc.) in Verbindung bringen und sie als künstlerische Form weiterentwickeln und denken könnte.

1.12.2018, 10 - 14 und 15 - 19 Uhr Raum 2



ISAAC SPENCER (Tänzer und Choreograf)

Workshop: Tanzpraxis

We will practice “bewegungsprinzipien” from Mary Wigman, namely GLEITEN, KREISE, DREHEN, and VIBRATO. We will investigate how the breath can command movement as well as how the space can be utilized as a partner, researching how movement expresses itself in the singular body as well as in the collective body. We will work with choreographed exercises as well as structured improvisation. Movement qualities deriving from the participants will be abstracted and used as choreographic material. Using Wigman’s dance practice as a starting point, we can analyze the path from learned material to free expression and critically evaluate this as both a pedagogical and performance practice.

Verbindliche Voranmeldung bitte bis spätestens 1.12.18 an: wenner©hfbk-dresden.de

4 Termine im Januar 2019 im Labortheater. Zeiten werden nach der Anmeldung per Mail mitgeteilt.

Dieses Angebot richtet sich an alle Studierenden!