Event

Oktogon. Kunsthalle der HfBK Dresden, Zugang über Georg-Treu-Platz, 01067 Dresden

Unglückskekse oder kulturelle An(gst)eignung Plagiat, Aneignung, Inspiration ?

Festival bei der Museumsnacht am 20.06.2026 im Schloß Pillnitz

Der Begriff Chinoiserie bezeichnet die europäische Mode des 17. und 18. Jahrhunderts, ostasiatische Formen fantasievoll zu imitieren. Ein exotisches „Bild des Orients“ entstand – oft weit entfernt von der Realität und als Teil eines westlichen Blicks, der bis heute nachwirkt.

Studierende der HfBK Dresden (Bühnen-und Kostümbild sowie Bewegtbild) und der Klasse für performative Künste der HGB Leipzig greifen dieses Phänomen auf und präsentieren zur Museumsnacht im Schloss Pillnitz Installationen, Performances und Essayfilme. Welche Formen von Chinoiserie begegnen uns heute und wie reflektieren wir kulturelle Aneignung ?

Das Schloss Pillnitz bei Dresden wurde ab 1720 vollständig im Stil der Chinoiserie erbaut. August der Starke entwickelte im 18. Jahrhundert eine „Porzellansucht“. Er tauschte Soldaten gegen chinesisches Porzellan – eine Obsession, die den Grundstein für die Schönheit Dresdens legte. Dresden, eine Stadt voller Spuren der Chinoiserie, ist zugleich ein Ort widersprüchlicher kultureller und politischer Realitäten. Hier wird die Forschung zu Chinoiserie zu einer Auseinandersetzung mit der Gegenwart selbst: mit Identität, Erinnerung und der Fragilität des kulturellen Selbstbildes. Chinoiserie erscheint nicht nur als ästhetisches Ornament, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Spannungen und kolonialer Erbschaften.

Die drei Mentor*innen des Studios Sichi Li, Soyoung Park und Xiaoyu Tang, die ursprünglich aus Ostasien stammen und dort aufgewachsen sind, bringen ihre Sichtweise und Perspektive auf Themen wie „Chinoiserie", „Orientalismus", „Kolonialismus" und „Postkolonialismus" ein – basierend auf ihrer eigenen künstlerischen Praxis und ihren persönlichen Lebenserfahrungen. 

Wie sollen wir auf das Erbe der Chinoiserie reagieren – und auf die immer weiter produzierten gegenwärtigen Erscheinungen davon? Können wir dem imaginierten, stereotypen Blick etwas entgegensetzen? Wie überschreiben wir diesen Blick und füllen die Räume mit Analyse, Dialog und angstfreier Kunstproduktion?

Was sind heutige Formen der „Chinoiserie"? Nudelbox, Glückskeks, Essstäbchen,Gold-Drachen-Restaurant, „Nihao“, Begrüßung mit gefalteten Händen, Disney’s Mulan, Kalligrafie, „My Asian Twink“, Spitzhut? Diese Objekte und Bilder durchdringen unseren Alltag. Sie sind Träger kultureller Bedeutungen, zugleich Projektionsflächen, zugleich Missverständnisse. Wann wird kulturelle Imagination zur kulturellen Verzerrung? Und wann verwandelt sich „der Osten“ in eine dekorative Sprache globaler Ästhetik?

Im Mittelpunkt des Projekts steht der Austausch als Methode. Der experimentelle Dialog ist ein Entwicklungsprozess, der aus wechselnden Perspektiven dokumentiert und im Rahmen eines 1-tägigen Festivals am 20.Juni 2026 in Schloss Pillnitz gefeiert werden wird. Noch einmal erstrahlt das Kunstgewerbemuseum in Pillnitz, bevor der Standort wegen Renovierung geschlossen wird. 

Sie sind dazu herzlich eingeladen!