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Gastprofessur Rao Fu

Der Künstler Rao Fu wird im Rahmen eines Lehrauftrages im Studienjahr 2026/2027 in Kolloquien die Vor- und Nachbereitung sowie die Begleitung der Studierenden der Klasse Macketanz im März 2027 nach China, Guangzhou Academy of Fine Arts, Shenzhen (Art Week Shenzhen) und der Art Basel HongKong, übernehmen. 
Für diesen Zeitraum (01.10.2026 bis 31.07.2027) wird ihm der Titel des Gastprofessors an der Hochschule für Bildende Künste Dresden verliehen.

Die Malerei von Rao Fu ist tief im Spannungsfeld zwischen östlichen und westlichen Kulturtraditionen verankert. Sie verbindet die geistige Grundierung der östlichen Malerei mit der materiellen Präsenz und visuellen Intensität westlicher Bildsprachen. Geboren 1978 in Peking, wuchs er in einem von Rationalität und wissenschaftlichem Denken geprägten Umfeld auf – sein Vater war an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften tätig, seine Mutter absolvierte ein Chemiestudium an der Shandong-Universität. Anstatt einem vorgezeichneten Weg zu folgen, wandte er sich der Kunst zu und entwickelte eine Praxis, die sich über kulturelle und gedankliche Grenzen hinweg bewegt.

In seiner künstlerischen Arbeit untersucht Rao Fu mit einer spannungsvollen Farb- und Bildsprache die Beziehungen zwischen Mensch und Welt, Materie und Geist sowie Leben und Tod. Seit seinem Abschluss an der Hochschule für Bildende Künste Dresden im Jahr 2012 richtet sich sein Fokus verstärkt auf Themen wie Migration, Krieg und Verdrängung. Im Spannungsfeld von Bruch und Neubildung, von kultureller Entwurzelung und Identitätsverschiebung wird Malerei zu einem temporären Ort der Reflexion. Daraus ergibt sich eine kontinuierliche Spannung in seinem Werk: zwischen Rationalität und Emotion, Ordnung und Freiheit, Struktur und poetischer Offenheit.

Malerei wird so zu einer Form der Auseinandersetzung mit der Gegenwart und zugleich zu einem Raum der Selbstverortung. Während seiner Gastprofessur wird Rao Fu gemeinsam mit den Studierenden in einem praxisorientierten Format arbeiten, das Lehre und projektbasierte Prozesse miteinander verbindet. Ausgangspunkt bilden offene Fragestellungen, die untersuchen, wie sich Malerei in einer Zeit neu positionieren kann, in der technologische Entwicklungen die visuelle Erfahrung grundlegend verändern – und wie der Mensch in diesem Zusammenhang neu verstanden werden kann.

Im Jahr 2001 unterbrach Rao Fu sein Studium in China und ging an die Hochschule für Bildende Künste Dresden, um Malerei zu studieren. Seitdem lebt und arbeitet er seit mehr als zwanzig Jahren in Dresden. Dresden ist nicht nur ein zentrales Gebiet der deutschen Malereitradition, sondern auch einer der wichtigen Ausgangspunkte zeitgenössischer Malereisysteme. Rao Fu war intensiv in die Strukturen der Malereiklasse der HfBK Dresden eingebunden und hat die pädagogische Tradition der Dresdner Schule durch seine künstlerische Praxis weitergeführt und erweitert.

Im Jahr 2022 wurde er in Dissonance – Platform Germany aufgenommen, eine Publikation, die die seit 1970 in Deutschland lebenden einflussreichsten Maler systematisch dokumentiert und seinen Beitrag zum zeitgenössischen malerischen Diskurs bestätigt.

Während seines Studiums in Dresden erhielt Rao Fu 2006 ein DAAD-Stipendium und schloss 2008 sein Masterstudium in Malerei ab. Anschließend studierte er Kunstpsychotherapie und erlangte einen zweiten Masterabschluss in diesem Fachbereich. Dieser interdisziplinäre Hintergrund prägt seine künstlerische Praxis bis heute, die sich mit den tieferen Dimensionen psychischer Strukturen und existenzieller Erfahrung beschäftigt.

Erste größere Aufmerksamkeit in der deutschen Kunstszene erhielt Rao Fu 2014 mit dem Förderpreis für junge Künstler der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sowie der Veröffentlichung seiner ersten Monografie Follow Wind, unterstützt durch die Volkswagen Art Foundation. Seitdem wurden seine Arbeiten international in Museen und Kunstinstitutionen gezeigt, darunter das Kupferstich-Kabinett Dresden (2013), HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste (2014), Städtische Galerie Dresden (2016), Casino Luxembourg – Forum d’art contemporain (2018), Kuandu Museum of Fine Arts (2019), Musée des Arts Asiatiques de Nice (2021), Künstlerhaus Bethanien / Berlin (2022), Museum of Contemporary Art Milwaukee (2023), Stadtgalerie Kiel (2024), National Museum of Art of Romania (2024) sowie der Deutsche Pavillon auf der Expo 2025 Osaka.

Im März 2026 eröffnete eine große Einzelausstellung im Red Brick Art Museum in Beijing, die einen umfassenden Überblick über mehr als 20 Jahre künstlerisches Schaffen in Dresden bietet.

Rao Fu erhielt zahlreiche Stipendien und Förderungen, darunter das DAAD-Stipendium (2006), die Künstlerstipendien der Heinrich-Böll-Stiftung (2008–2012, 2014) sowie Projektförderungen der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (2014, 2016, 2020). Seine Werke befinden sich in öffentlichen und institutionellen Sammlungen.

Besonders hervorzuheben ist sein Diplomwerk Mirage (2009), das sich in der Sammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden befindet. Weitere Werke sind Follow Wind (2014, Volkswagen Art Collection Wolfsburg), Phantom (2016, Städtische Galerie Dresden), Mermaid (2018, Musée national d’histoire et d’art Luxembourg, MNAHA), Heavenly Spring (2023, DEJI Art Museum Nanjing), Inevitable III (2023, Museum of Contemporary Art Milwaukee) und Family Rainbow (2024, Städtische Galerie Dresden). The River of Life and Windless (2026, dauerhaft in der Sammlung des Red Brick Art Museum, Beijing).

Website https://www.fu-rao.com