Nach mehreren Eröffnungen und zahlreichen Veranstaltungen wird der Rundgang 2026 der Hochschule für Bildende Künste Dresden am 24. Juli seinen Höhepunkt erreichen: mit der Eröffnung der Diplomausstellung Bildende Kunst präsentieren 47 Absolventinnen und Absolventen im Oktogon und angrenzenden Räumen ihre künstlerischen Abschlussarbeiten. Bereits am 17. Juli wird die Jahresausstellung der Fakultät I eröffnet, am Folgetag schließen sich die Eröffnung der Jahresausstellung der Fakultät II, das Sommerfest sowie die Vergabe mehrerer Auszeichnungen und Stipendien an.
Im Rahmen der Eröffnung der Jahresausstellung der Fakultät I wird Vu Duc Minh, Student der Bildenden Kunst, mit dem DAAD-Preis für ausländische Studierende ausgezeichnet. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.
Am 18. Juli werden außerdem die diesjährigen STIBET-Stipendien des DAAD bekannt gegeben. Die dreimonatigen Förderungen in Höhe von jeweils 2.100 Euro gehen an Evgenii Efros (Bühnen- und Kostümbild), Malika Gunesh (Bildende Kunst) und Hyemin Ji (Bildende Kunst).
Der 1994 geborenen Künstler mit vietnamesisch-tschechischen Wurzeln Vu Duc Minh setzt sich mit Prozessen des Wachstums, Zerfalls und der Kristallisation auseinander, die er sowohl materialästhetisch als auch konzeptuell untersucht. Aktuell vertieft er seine künstlerische Forschung in neuen materialbasierten Arbeiten, in denen er mit Textilien, Porzellan, Wachs, Metallguss sowie Kristallisationsprozessen arbeitet. So entwirft er beispielsweise Mode aus dem Reagenzglas – dabei entwickelt er Textilien, die in Nährlösungen wachsen, und erforscht den Einsatz von Bakterien-Zellulose sowie Algenfasern als nachhaltige Alternativen für eine zukünftige Haute Couture.
Der 2004 in St. Petersburg geborene Evgenii Efros kam nach seiner Flucht aus Russland über Israel an die HfBK Dresden. Seine künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Bühnen- und Kostümbild, Performance und Installation und setzt sich mit Fragen jüdischer Identität, neuer Formen des Antisemitismus, Krieg, Körperlichkeit, Queerness und Selbstverortung auseinander.
Malika Gunesh, geboren 1985 in Taschkent, Usbekistan, lebt seit 2013 in Deutschland. Nach einem Studium der Sprachwissenschaften und einer Ausbildung zur Holzbildhauerin studiert sie seit 2024 wieder Bildhauerei an der HfBK Dresden. Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit stehen Landschaft, Material und natürliche Prozesse. Ausgehend von Sandstein und experimentell belichtetem analogem Filmmaterial entwickelt sie Skulpturen und Arbeiten, die Aspekte von Herkunft, Erinnerung und persönlicher Geschichte aufgreifen.
Die Arbeiten der 1998 in Anseong (Südkorea) geborenen Hyemin Ji verbinden Malerei, Objekt und digitale Medien. Über die verschiedenen Medien hinweg entstehen Bildräume, die sich zwischen Einschluss und Öffnung, Stabilität und Veränderung bewegen und Oberflächen als fortwährende Prozesse erfahrbar machen.
Zum zweiten Mal wird zudem der Jahrespreis des Freundeskreises der HfBK Dresden für die Fakultät II vergeben. Der mit insgesamt 1.200 Euro dotierte Preis wird geteilt. Je 600 Euro erhalten Thea Rühling (KunstTherapie) für ihr „Offenes Atelierprojekt für Menschen mit Demenzerkrankung“ sowie Frieda Kirch (Theaterplastik) für ihr Projekt „Angst und Identität im künstlerischen Ausdruck“.
Austausch und Experiment
Mit der Eröffnung der Diplomausstellung am 24. Juli um 19 Uhr im Oktogon erreicht der Rundgang 2026 seinen Höhepunkt. In der Kunsthalle sowie den angrenzenden Ateliers werden die Abschlussarbeiten von 47 Diplomandinnen und Diplomanden des Studiengangs Bildende Kunst zu sehen sein. Im Rahmen der Eröffnung wird außerdem ein weiterer Preis des Freundeskreises der HfBK Dresden vergeben.
Isabell Sterner formuliert im diesjährigen Diplomkatalog Folgendes:
„Ein Kunststudium kann Vieles sein und jede*jeder gestaltet die Zeit durch eigene Interessenslagen anhand des Curriculums; Austausch und Experiment stehen dennoch immer im Vordergrund – ein kostbares Privileg.“
„Wachsen, Reflektieren und Scheitern sind integrale Bestandteile jeder ernsthaften Beschäftigung, so auch der des Kunststudiums. Das Aushalten und Anerkennen, dass das kontinuierliche Erfragen eines Sinns allerdings wohl eine lebenslängliche Aufgabe als Künstler*in bleibt, wird insbesondere zum Zeitpunkt des Diploms deutlich. In diesem Zusammenhang wird der Lernprozess selbst zum eigentlichen Halt“.
Die Ausstellung versammelt 47 künstlerische Positionen und macht sichtbar, wie unterschiedlich sich künstlerische Fragestellungen, Materialien und Arbeitsweisen während des Studiums entwickelt haben. Stellvertretend werden nachfolgend ausgewählte Diplomarbeiten vorgestellt.
Ausgewählte Positionen der Diplomausstellung
Isabell Sterner: ihre drei Skulpturen mit dem Arbeitstitel "Diggings", gehen auf ganz verschiedene Art mit dem Topos "Skulptur" um. Sterner beschäftigt sich mit der Einwirkung einer Skulptur als Bild, Akteur oder fiktiver Charakter in die Umwelt und welche Potenziale sich daraus ergeben. Neben dieser skulpturtheoretischen Komponente steht das im Titel benannte "Ausgraben" für einen von Intuition und Unterbewusstsein geprägten Arbeitsprozess.
Carlo Heller: Die Soundinstallation „In Ambush“ beschäftigt sich mit dem Versuch des Verschwindens. In einem nahezu vollständig verdunkelten Raum werden die Besucherinnen und Besucher von einem mehrkanalig installierten Klangfeld umschlossen. Die Arbeit beschreibt einen Wahrnehmungszustand - dem Moment des Anschleichens eines Raubtiers vergleichbar- einen Zustand höchster Aufmerksamkeit, der ein vollkommen empathisches Verhältnis zur eigenen Umgebung voraussetzt und in dem sich die eigene Wahrnehmbarkeit aufzulösen beginnt.
Hou Ching: „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ greift die Bildwelt des biblischen Sündenfalls auf und untersucht die Verflechtung von Natur, Ornament und Moral.
Katharina Rauscher: Die Diplomarbeit verbindet Skulptur, Prozess und ortsbezogene Recherche. Im Mittelpunkt steht der Bau eines kleinen Lehmhauses in der Dresdner Hellersiedlung, dessen Entstehung live in die Ausstellung übertragen wird. Ihre Untersuchungen zum Baugrund und den teils kontaminierten Böden führten sie zu Fragen nach dem Umgang mit dem Boden - der materialisierten Vergangenheit, welche zugleich Grundlage für Neues, Wachsendes bildet.
Leo Himburg-Hammerer: Eine Konstruktion aus geschwärztem Holz und Papiersilhouetten tritt mit der Architektur der Alten Bibliothek des Oktogons in Dialog.
Simon Filippi: Die medienübergreifende Rauminstallation „Schlaflied für die Bienen“ kreist um das Bedürfnis nach Sicherheit und die Suche nach Trost und Halt. Vier Warnsirenen, die eine Melodie in C-Dur spielen, untermalen die Aquarellzeichnung eines Kuscheltiers im festen Klammergriff eines Kinderarms. Wer hält hier wen? Die Objekte sind Klangkörper und Skulpturen zugleich. Roh und improvisiert schwankt ihre Form zwischen überdimensionierten Musikinstrumenten und Fragmenten öffentlicher Infrastruktur.
Stefanie Hollerbach: In „defined / defining“ untersucht sie Arbeitsprozesse und deren Materialität. Bestandteile industrieller Herstellungsprozesse werden zu bildhauerischen Formen und hinterfragen Vorstellungen von Funktion, Material und Form.
Zur Diplomausstellung erscheint ein Katalog.
Diplomausstellung Bildende Kunst
Oktogon. Kunsthalle der Hochschule für Bildende Künste Dresden
Georg-Treu-Platz 1, 01067 Dresden
25. Juli bis 6. September 2026
Dienstag bis Sonntag, 11–18 Uhr