Sucht man im Internet nach „Büchern an meinem Bett“, findet man Einträge zu „Lesen im Bett“, „Engel am Bett“ oder auch „An das Monster unter meinem Bett“. Eines der Bücher, das wahrscheinlich sehr lange an Richters Bett lag, war „Rendezvous der Fabelwesen: Drache, Einhorn & Co zwischen Mythos und Wirklichkeit“, verfasst von Heinz-Ulrich Reyer. Einerseits, weil sie sich dieses Buch als Erwerbungsvorschlag in der Bibliothek gewünscht hat und anderseits, weil die Faszination vom Buch offensichtlich so groß war, dass letztendlich vom Umschlag des Buches ein kleines Gemälde entstanden ist.
Das Buch geht dem Ursprung der Fabelwesen nach. Dabei werden kulturgeschichtliche Überlieferungen mit biologischen Wirklichkeiten verglichen unter Berücksichtigung der jeweils religiösen, moralischen, gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Im ersten Teil werden tierische und menschliche Fabelwesen im Kontext ihrer Schöpfungsmythen, Religionen, antiken Hochkulturen und aus mittelalterlichen Reiseberichten vorgestellt. Das anschließende Kapitel widmet sich der wissenschaftlichen Untersuchung dieser Wesen und warum Fabelwesen sich auch heute noch breiter Popularität erfreuen, obwohl es für ihre reale Existenz keine stichhaltigen Beweise gibt.
Im nachfolgenden Kapitel spricht der Autor von einem regelrechtlichen Zoo der Fabelwesen. Die Vielfalt an Tier-oder-Menschgestalten, Tier-Mensch-Mischwesen und auch Metamorphosen durchlaufenden Wesen kennt keine Grenzen. Mit Hilfe systematischer Befragungen von Augenzeugen wollte man den Wesen auf die Spur kommen. Doch auch mit dieser Methodik konnte kein zuverlässiger wissenschaftlich begründeter Nachweis über die Existenz dieser Wesen erbracht werden. Die Erklärungen für das Fehlen von Beweisen waren und sind vielfältig. So beschäftigt sich das Kapitel „Täuschung und Selbsttäuschung“ mit Fälschungen, die die Existenz von Meerjungfrauen, Affenmenschen, siebenköpfigen Drachenwesen, Seeschlangen und ähnlichen nachweisen sollen. Letztendlich kommt der Autor zum Schluss, dass „Fabelwesen reine Konstrukte unserer Fantasie“ sind. Im abschließenden Kapitel wirft der Autor einen Blick in die Zukunft und stellt die Frage, warum Mythen und Fabelwesen auch in der heutigen Zeit immer noch eine Rolle spielen. Im Mittelpunkt steht die Symbolik der Fabelwesen und was sie repräsentieren. So steht zum Beispiel der Drache für Chaos oder Glück. Ein chinesischer Neujahrsumzug ohne Drachen scheint undenkbar, denn schließlich braucht man auch im neuen Jahr Glück. In der christlichen Ikonographie repräsentiert der Engel etwas Gutes und der Teufel ist der Inbegriff des Bösen. In Werken der Bildenden Kunst oder in architektonischen Fassadengestaltungen finden sich nicht nur biblische Gestalten, sondern auch Wesen antiker heidnischer Religionen und Mythologien. Aber auch in zeitgenössischen literarischen Werken wie zum Beispiel J. R. R. Tolkins „Hobbit“, J. K. Rowlings „Harry Potter“ oder in Filmen wie „Krieg der Sterne“, „Aliens“ oder „Gremlins“ begegnen uns neue Wesen, die die Faszination an diesen Fabelwesen fortsetzen und befeuern.
Und somit stellt sich zum Schluss die Frage: Welches Buch liegt bei Ihnen am Bett?